Die Folgen der Corona-Krise für die Elektromobilität

Dass die COVID-19-Krise sich auch auf die Mobilität der Menschen und die Autobranche auswirkt, ist bekannt. Doch wie sieht es im Bereich der Elektromobilität aus? Neue Obergrenzen zum CO2-Ausstoß seitens der Europäischen Union und hohe Kosten setzen die Autobauer unter Druck. Ihnen bleibt nichts Anderes übrig, als inmitten der Corona-Krise verstärkt auf die Elektromobilität zu setzen. Doch dies kann auch eine Chance darstellen.

Auswirkungen der Corona-Krise auf die Mobilität

Während des Lockdowns ging die Mobilität der Deutschen ganz allgemein zurück – schließlich arbeiteten viele Arbeitnehmer im Home Office, und Schulen, Einzelhandel, Gastronomie und Vieles mehr blieben geschlossen. Statt etwa 40 Kilometer pro Person und Tag legten wir in der letzten März- und ersten Aprilwoche durchschnittlich nur 15 Kilometer täglich zurück.

Mit den zunehmenden Lockerungen geht dieser Trend allmählich wieder zurück. Doch die Pandemie hatte nicht nur Auswirkungen darauf, wie mobil die Menschen waren, sondern auch auf die Wahl des Verkehrsmittels. Dies machte sich insbesondere im öffentlichen Personennahverkehr bemerkbar. Hier verringerte sich der Wert der täglich zurückgelegten Kilometer um über 75 Prozent. Hauptgrund dafür dürfte die Angst vor Ansteckung sein, welche den Individualverkehr in Form von Pkw und Fahrrad zum Gewinner der Corona-Krise in Sachen Mobilität macht. 

Abbildung 1: Die Corona Krise sorgt für eine Verschiebung hin zum Individualverkehr

Rückgang der Verkaufszahlen bei den Autobauern

Die globale Wirtschaftskrise, welche mit der Pandemie einhergeht, macht auch vor der Autobranche nicht Halt. Im April brachen die Auto-Neuzulassungen in Deutschland um ganze 60 Prozent ein. Dies lag zum Einen daran, dass Autohäuser während des Lockdowns geschlossen waren, zum Anderen ist die Kauflaune der Konsumenten angesichts der drohenden Rezession gedämpft. Reinhard Zirpel, der Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller, sprach von einem “beispiellosen Markteinbruch”. Insgesamt verzeichneten sämtliche deutsche Automarken zweistellige Einbußen.

Entwicklung bei den Elektro-Fahrzeugen Anlass zur Hoffnung

Doch bei den Elektro-Fahrzeugen stellt sich die Situation anders dar. Dem US-Autobauer Tesla gelang im April 2020 in Deutschland sogar ein Neuzulassungsplus von über 10 Prozent. Zuvor hatte es noch kurz vor Ausbruch der Corona-Krise für die Elektromobilität in Deutschland rosig ausgesehen: Im März war ein Anstieg der Neuzulassungen von E-Autos von 56 Prozent zu verzeichnen.

Es bleibt die Frage, wie es um die Zukunft der Elektromobilität nach der Corona-Krise steht. Die Bundesregierung hat im Rahmen des Corona-Konjunkturpakets die Kaufprämie für E-Autos verdoppelt. Wer ein Elektroauto kauft, kann nun mit einem staatlichen Zuschuss von 6.000 € statt wie bisher 3.000 € rechnen. Zudem ist damit zu rechnen, dass Elektrofahrzeuge in der Zukunft günstiger werden – schon jetzt sind bei vielen Modellen die Preise vergleichbar mit denen für einen Verbrenner-Neuwagen. Damit werden die nachhaltigeren Pkw zunehmend attraktiver für die Verbraucher.

CO2-Obergrenze der Europäischen Union ab 2021

Dass die Autobauer weiter auf die Elektromobilität setzen, liegt unter anderem auch an den neuen Vorgaben der EU. Ab 2021 schreibt sie eine Obergrenze für die Flotten der Autobauer vor. Wer diese nicht einhält, muss mit Strafen, teilweise in Milliardenhöhe, rechnen. Ziel der Europäischen Union ist es, bis zum Jahr 2030 die CO2-Emissionen von Neuwagen um 37,5 Prozent gegenüber dem Jahr 2021 zu senken. Ab dem kommenden Jahr dürfen daher neu zugelassene Pkw in der EU im Schnitt maximal 95g CO2 pro Kilometer emittieren. Das entspricht, auf Verbrennungsmotoren bezogen, dem durchschnittlichen Verbrauch von 4,1 Litern Benzin oder 3,6 Litern Diesel.

Die zentrale Herausforderung: Ein adäquates Ladenetz

Ob und wie schnell sich die Elektromobilität hierzulande durchsetzen wird, steht und fällt mit der Bereitstellung eines adäquaten Ladenetzes. Denn nur wenn gesichert ist, dass ein Elektroauto sowohl zu Hause als auch unterwegs aufgeladen werden kann, werden sich Verbraucher in der Breite dafür entscheiden. Auch hier setzt die große Koalition an, indem sie im Rahmen des Corona-Konjunkturpakets 2,5 Milliarden € in den Ausbau des Ladenetzes und die Förderung von Forschung und Entwicklung investieren will.

Insgesamt zeichnet sich in diesem Bereich bereits eine positive Entwicklung ab, denn seit 2019 sind ist die Zahl der Ladepunkte für E-Autos um 16 Prozent gestiegen. Ein Trend, der sich fortsetzen muss, will man der E-Mobilität in Deutschland zum Durchbruch verhelfen.

Abbildung 2: Die Entwicklung der Elektromobilität ist eng gekoppelt mit der Erweiterung des Ladesäulennetzwerk

Nachhaltige Mobilitäts- und Parkkonzepte in Unternehmen

Auch Unternehmen können einen Beitrag dazu leisten, E-Mobilität zu fördern. Einerseits ist dies natürlich über die Firmenflotte und Dienstwagen möglich: Gerade in Zeiten gestiegener Zuschüsse und Kaufprämien kann hier die Entscheidung für ein E-Auto sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll sein.

Darüber hinaus können Arbeitgeber ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, auf Elektromobilität umzusteigen. Dies ist beispielsweise möglich, indem auf dem Firmenparkplatz eine entsprechende Lade-Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird. Arbeitnehmer, die mit dem Auto zur Arbeit pendeln, haben täglich zwei gute Gelegenheiten, um ihr E-Auto aufzuladen: Über Nacht zu Hause und während der Arbeitszeit, wenn es oft über acht Stunden auf dem Parkplatz steht.

Ein weiterer Vorteil der Bereitstellung von Ladesäulen für die Elektroautos der Mitarbeiter liegt im Bereich des Employer Branding. 59 Prozent der Arbeitnehmer, die über den Kauf eines E-Autos nachdenken, würden sich Umfragen zufolge eher für einen Arbeitgeber entscheiden, der seinen Mitarbeitern kostenlose Ladesäulen zur Verfügung stellt. Es handelt sich also um ein echtes Plus in Zeiten des Fachkräftemangels.

Fazit: Die Krise als Chance für die E-Mobilität

Die Corona-Krise wirkt sich in nahezu allen Lebensbereichen aus, dies gilt auch für die Mobilität im Allgemeinen und die Elektromobilität im Besonderen. Der Reflex, die Mobilitätswende und den Klimaschutz angesichts der Pandemie und der damit einhergehenden Wirtschaftskrise hintan zu stellen, mag verständlich sein – jedoch sollte man ihm keinesfalls nachgeben. Denn die Klimakrise mag aus unserem Bewusstsein verschwunden sein, dennoch ist sie weiterhin sehr real. Es besteht also großer Handlungsbedarf in Sachen Klimaschutz und Mobilitätswende.

Die Frage, ob sich die Gesellschaft die Elektromobilität leisten könne, stellt sich also in diesem Sinne gar nicht – vielmehr ist es notwendig, hier sowohl als Gesellschaft als auch als einzelnes Unternehmen zu investieren, denn mittel- und langfristig zahlt sich die E-Mobilität sowohl ökologisch als auch ökonomisch aus.

Quellen:

https://www.enbw.com/blog/elektromobilitaet/trends/e-mobilitaet-waehrend-und-nach-corona-wie-sieht-die-zukunft-aus/

https://vision-mobility.de/news/wegen-corona-krise-jeder-zweite-erwaegt-kauf-eines-e-autos-40967.html

https://www.infas.de/fileadmin/user_upload/infas_mobility_CoronaTracking_Nr.01_202004121.pdf

https://boerse.ard.de/anlagestrategie/branchen/tesla-ueberholt-sie-alle100.html

https://boerse.ard.de/anlagestrategie/branchen/bringt-die-corona-krise-die-elektromobilitaet-vom-weg-ab100.html

https://www.vcd.org/themen/auto-umwelt/co2-grenzwert/

https://www.tagesschau.de/inland/konjunkturpaket-115.html

alle Quellen zuletzt abgerufen am 21.07.2020