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In den letzten Jahren hat sich die Sharing Economy in zahlreichen Lebensbereichen etabliert. Ob Autos, Fahrräder, Werkzeuge oder Wohnungen – viele Dinge muss man heutzutage nicht mehr besitzen, um sie zu benutzen. Stattdessen bietet die Sharing Economy die Möglichkeit, Gegenstände zu leihen und diese gemeinsam zu nutzen. In Deutschland nutzen 20% der Verbraucher Sharing-Angebote, womit wir hierzulande über dem EU-Durchschnitt von 17% liegen. Da die Mobilität der Menschen ihre Lebensqualität entscheidend mitbestimmt und sich durch die Digitalisierung stark weiterentwickelt hat, lassen sich auch im Bereich Mobilität spannende Konzepte unter dem Dachbegriff „Shared Mobility“ zusammenfassen. 

First things first: Was ist Sharing Economy?

Die Sharing Economy wird auch als “Share Economy” oder “Shared Economy” bezeichnet. Wörtlich bedeutet der Begriff soviel wie “Wirtschaft des Teilens”. Die Sharing Economy bezeichnet die gemeinschaftliche Nutzung von Gegenständen, indem diese getauscht, geliehen, gemietet oder verschenkt werden. Neben Gütern können auch Dienstleistungen auf diese Art genutzt werden.

Grundsätzlich ist die Idee, Dinge gemeinschaftlich zu nutzen, nicht neu – man denke nur an Bibliotheken oder landwirtschaftliche Genossenschaften. Allerdings bietet die moderne digitale Infrastruktur ganz neue Möglichkeiten der Vernetzung. Per Smartphone können Anbieter und Nutzer heute ganz einfach auf diversen Plattformen zueinander finden, und auch die Bezahlung kann unkompliziert digital erfolgen.

Während zu Beginn der Sharing Economy vor allem unentgeltliche Modelle im Fokus standen, hat sich nun rund um dieses Thema ein Markt mit renditeorientierten Geschäftsmodellen entwickelt.

Sharing Economy als Teil vieler Lebensbereiche 

Das Sharing Economy Konzept wird in vielen ganz unterschiedlichen Lebensbereichen bereits gelebt. Die Plattform Airbnb hat den Bereich Apartment Sharing fest etabliert. So können Touristen und Geschäftsreisende sich online in private Wohnungen rund um den Globus einmieten. Beim Sharing für Kleidung bieten Anbieter wie die Kleiderei oder Dresscoded.com die Möglichkeit Kleider zu leihen, anstatt sie zu kaufen.

Im Bereich der Sharing Mobility ist die Nutzungstendenz steigernd. Konzepte wie Carsharing, Bikesharing oder Carpooling werden zunehmend ein fester Bestandteil des Alltags. Umfragen zufolge ist die Bereitschaft der Deutschen, Sharing-Konzepte zu nutzen, insbesondere im Bereich der Mobilität, vergleichsweise groß: 72% würden entsprechende Angebote für Mitfahrgelegenheiten nutzen, und auch Bikesharing mit 66% und Carsharing mit 62% erfreuen sich großer Beliebtheit.

Im deutschen Carsharing-Markt sind auch die großen Automobilkonzerne aktiv. BMW und Daimler haben sich hier zusammengeschlossen und bieten mit Share Now Fahrzeuge zur kurzzeitigen Miete an. Ebenfalls auf dem Markt aktiv ist der Konzern Sixt mit dem vielfältigen SIXT share Angebot.

Abbildung 1: Welche Sharing-Angebot die Deutschen nutzen würden – Quelle

Der Ansatz, dass es vorteilhaft sein kann, Güter oder Waren nicht zu besitzen, sondern bei Bedarf zu leihen, legt also den Grundstein für eine Shared Economy. Dies haben auch die Wirtschaftsunternehmen im Visier: Sie haben die Kraft und die Mittel solche Sharing-Konzepte nachhaltig und effizient zu etablieren. 

Herausforderungen für Unternehmen 

Sharing Economy ist in ihrer modernen Erscheinungsform eine neuartige Art des Wirtschaftens, für die es noch nicht vollumfänglich entsprechende Regeln und Gesetze erlassen wurden. Daher kann es für Unternehmen einige Herausforderungen mit sich bringen. 

Mangelnde steuerliche und juristische Richtlinien

Die rasante Entwicklung der Sharing Economy hat zur Folge, dass der entsprechende gesetzliche Rahmen oftmals erst mit einiger Verspätung gesetzt werden kann. Darüber hinaus sind die Grenzen zwischen privaten und gewerblichen Angeboten in vielen Fällen fließend.

Technologische Voraussetzungen

Damit im Unternehmen Sharing-Modelle erfolgreich umgesetzt werden können, müssen Mitarbeiter Zugriff auf die dafür notwendige App haben. In diesem Zusammenhang werden häufig SaaS-Lösungen eingesetzt, die Sharing Lösungen von einem Dienstleister beziehen. 

Vorbehalte der Mitarbeiter

Während die jüngere Zielgruppe das Konzept des Sharings oftmals bereits in ihren Alltag integriert hat, dürfte beispielsweise Carpooling in der Firmenflotte unter älteren Mitarbeitern noch auf einige Vorbehalte stoßen. 2019 gaben in einer Umfrage 53% der Deutschen an, noch nie ein Sharing-Angebot genutzt zu haben und dies auch nicht zu planen. Darüber hinaus wird der eigene Dienstwagen von vielen Mitarbeitern immer noch als Statussymbol gesehen.

Chancen für Unternehmen und Mitarbeiter

Für Mitarbeiter und Unternehmen können Angebote der Sharing Economy jedoch auch einen großen Nutzen darstellen. Im Folgenden sollen diese am Beispiel des Carsharings veranschaulicht werden.

Vorteile für die Mitarbeiter

Niedrigere Kosten für den Einzelnen

Insbesondere in Großstädten ist ein eigenes Auto oftmals nicht mehr notwendig. Carsharing bietet hier die Sicherheit, bei Bedarf dennoch schnell und flexibel Zugriff auf einen Pkw zu haben – und das bei niedrigeren Kosten für den einzelnen Nutzer.

Große Flotte aus neuen Autos

Wer sich für Carsharing statt für einen eigenen Wagen entscheidet, hat die Wahl zwischen einer Vielzahl verschiedener Modelle. Für die Fahrt zum Möbelhaus kann so auf ein größeres Auto zurückgegriffen werden als für den Sprung in die City. Als prominentes Beispiel wird in diesem Zusammenhang der Anbieter  Miles Mobility genannt, der eine umfangreiche Fahrzeugflotte bestehend aus Transportern oder verschiedenen Pkw-Arten zur Verfügung stellt. 

Vorteile für Unternehmen

Nachhaltigkeit

Viele Unternehmen sehen Nachhaltigkeit und Umweltschutz als Teil ihrer Unternehmenswerte. Die Entscheidung für Carsharing kann hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten, da das Carsharing-Konzept vorsieht, dass ein Fahrzeug von mehreren Nutzern gefahren werden darf.  Dies hat zufolge, dass insgesamt mit weniger Emissionsausstoß gerechnet werden kann, da weniger Fahrzeuge in Betrieb genommen werden. 

Kostenreduktion

Unternehmen, die Carsharing als Teil  ihrer Firmenflotte nutzen, reduzieren ihre Kosten, indem sie ausschließlich für die wirkliche Nutzungsdauer eines Fahrzeugs bezahlen. Außerdem fallen Kosten für Reparatur und Instandhaltung weg, da diese vom Carsharing-Anbieter übernommen werden.

Effiziente Nutzung

Während viele Autos – auch in Firmenflotten – die meiste Zeit ungenutzt auf dem Parkplatz stehen, ist die Auslastung von Carsharing-Autos viel effizienter, da sie von mehreren Nutzern gefahren werden.

The next big thing: Shared Parking 

Erst vor Kurzem wurde auch der Begriff “Shared Parking” etabliert. Dank der Digitalisierung von Parkräumen ergibt sich die Möglichkeit auch Güter wie Parkplätze zu teilen. Doch wo lässt sich nun das Teilen von Parkplätzen einordnen? Und kann ‚Shared Parking‘ überhaupt als Teil der Shared Economy gesehen werden? Wenn es nach Herrn Schönberg, Senior Partner bei Roland Berger, geht ja. Bereits im Mai 2016 beschreibt Schönberg den Sachverhalt wie folgt: “With jointly-used parking spaces, we are experiencing the next big thing in the world of shared economy.” also “Durch das Teilen von Parkplätzen erleben wir das nächste große Ding in der Welt der Shared Economy.”. In einem Interview präzisiert Schönberg seine Aussage weiter und sieht Shared Parking als Teil der Shared Mobility. Demnach ergibt sich folgende Beziehung. Das Shared Parking ist Teil der Shared Mobility und demnach auch Teil der Shared Economy wie Abbildung 2 nochmals visuell darstellt. 

Abbildung 2: Zusammenhang der Sharing Arten

 

Shared Parking bedeutet das Bereitstellen von Parkflächen im privaten Off-Street Bereich (z.B. Unternehmenstiefgarage), die durch andere Autofahrer genutzt werden können. Das ist gerade dann sinnvoll, wenn das Parken im On-Street (z.B. öffentliche Parkplätze) Bereich knapp ist. 

Solche Konzepte fordern einerseits nicht nur die zeitliche Flexibilität der Reservierungen, sondern auch technologisches digital vernetztes System.  Damit so ein System funktionieren kann, braucht es einen Vermittler oder Betreiber, die die Plattform zur Verfügung stellen, zum anderen braucht es ein Netzwerk aus Anbietern und Konsumenten. Auch die Verifizierung vor Ort spielt eine große Rolle, sprich es muss überprüft werden, ob die Person berechtigt ist, den Parkplatz überhaupt zu nutzen. Vorreiter auf diesem Gebiet ist das 2013 gegründete Startup Ampido, das eine Plattform für das Ver- und Anmieten privater Parkplätze anbietet und alle Prozesse von der Nutzung bis zur Bezahlung abwickelt.

Empfehlung: Sharing Mobility am Unternehmensstandort integrieren

Als Unternehmer gibt es verschiedene Möglichkeiten, Sharing Mobility einzuführen. Nachfolgend werden Möglichkeiten aufgezeigt:

Carpooling für Mitarbeiter

Die Fahrzeuge, die für den Arbeitsweg eingesetzt werden sind oftmals Grund für Staus und Verzögerungen. Schließlich fahren circa 80% der 18 Millionen Berufspendler in Deutschland mit dem Auto zur Arbeit. Hier können Arbeitgeber ansetzen, um den Arbeitsweg ihrer Mitarbeiter flüssiger und unkomplizierter zu gestalten und darüber hinaus einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, indem sie Carpooling unter den Mitarbeitern incentivieren. Dadurch sind weniger Fahrzeuge auf den Straßen und der Verkehr wird deutlich entlastet. Die Folge ist die geringere Umweltbelastung durch Abgasentwicklung. Zusammen mit Wunder Mobility bietet ParkHere eine praktische Lösung an. Mitarbeiter, die sich den Weg zur Arbeit teilen, werden durch eine Stellplatzgarantie incentiviert.

Carsharing als Firmenflotte oder Dienstwagen

Manche Mitarbeiter, etwa Vertriebsmitarbeiter im Außendienst, benötigen so oft ein Auto, dass der Weg auch weiterhin kaum an einem festen Dienstwagen vorbeiführt. Doch in vielen anderen Fällen besteht die Möglichkeit, die Firmenflotte ganz oder teilweise über Carsharing abzudecken.

Shared Parking über das Unternehmen hinaus

Durch ein Parkraummanagement können Unternehmensparkplätze zwischen den Mitarbeiter geteilt werden, um so eine hohe Auslastung zu erzielen. Für eine noch effizientere Nutzung der Stellplätze können diese auch von Anwohnern oder Fremdfirmen genutzt werden und so den Sharing Gedanken noch mehr Bedeutung zu geben.

Fazit: Sharing Mobility als Chance 

Zwar spricht Sharing Economy in Deutschland bisher noch eine junge Zielgruppe an, sie erfreut sich insbesondere im Bereich Mobilität jedoch großer Beliebtheit und dürfte in Zukunft noch weitere Mobilitätstrends setzen. Nicht nur private Nutzer profitieren von Konzepten wie der Sharing Mobility, vielmehr bieten Konzepte wie Shared Parking und Carsharing für Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten, die unternehmenseigene Mobilität effizienter und kostengünstiger zu gestalten.

Quellen: