Was genau elektrische Mobilität bedeutet und vor welche Herausforderungen und Veränderungen uns dieser Trend in der Zukunft stellt, sind Fragen die Unternehmen, Bürger und Politik beschäftigen. Dieser Artikel gibt einen Ausblick wie uns die Elektromobilität in 2020 bewegen wird.

 

Was ist Elektromobilität oder “E-Mobility” eigentlich? Die Definition ist ganz einfach: Elektromobilität bzw. E-Mobility bezeichnet Fahrzeuge oder Fortbewegungsmittel, die entweder ganz oder zumindest teilweise auf einen elektrischen Antrieb setzen. Dabei ist es eine altbekannte Technologie, auf die der Trend setzt: Das erste bekannte deutsche Elektroauto war der sogenannte „Flocken Elektrowagen“, gefertigt vom Unternehmen A. Flocken in Coburg im Jahr 1888. Flächendeckend durchsetzen konnte sich Elektromobilität zunächst jedoch nur im schienengebundenen Bahnverkehr: Straßenbahnen mit dazugehörigen Oberleitungen gehören schon lange zum Stadtbild vieler Metropolen. Neu ist der seit einigen Jahren zu beobachtende Megatrend hin zu elektrisch angetriebenen Fahrrädern, Autos, Nutzfahrzeugen und Rollern. Die Prognosen vieler Fachleute sehen individuelle Mobilität zukünftig weniger abhängig vom eigenen Fahrzeug; vielmehr werden sich vor allem im städtischen Raum neue, miteinander kombinierbare Mobilitätskonzepte durchsetzen, um den Bedarf zu decken: Hybrid- oder Elektrobusse, Bahn, Carsharing und Pedelecs. 

Die Mobilität der Zukunft ist elektrisch

Die Bandbreite der e-Mobilität reicht von vollelektrischen Fahrzeugen bis zu sogenannten Hybriden, deren Antrieb teilweise elektrisch funktioniert. Eines haben all diese Lösungen gemeinsam: Sie sind im Fahrbetrieb effizient, leise und stoßen keine bzw. erheblich weniger Schadstoffe und CO2 (Kohlenstoffdioxid) aus als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennermotoren. Laut Emob-Gesetz zählen zu e-Fahrzeugen alle Fahrzeuge mit einem maximalen CO2-Ausstoß von 50 g pro Kilometer bzw. mit einer Mindestreichweite von 30 km im reinen Elektrobetrieb. In Zeiten der globalen Klimadiskussion und steigenden Umweltbewusstseins hat sich die Elektromobilität zu einem Megatrend entwickelt. So heißt es im erst 2019 verabschiedeten Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung: „Die 2020er Jahre werden das Jahrzehnt zur konsequenten Umsetzung der Energie-und Mobilitätswende.“ Die forcierte Umsetzung von Elektromobilität wird in diesem Zusammenhang eine tragende Rolle spielen.

Elektromobilität als Herausforderung für alle

Die anvisierten Ziele im Rahmen der Energie- und Mobilitätswende bedeuten für alle Beteiligten eine große Herausforderung: Automobilindustrie, Zulieferer, Energiewirtschaft, Nutzer – auf allen Seiten wird neu gedacht. Das Thema Elektromobilität bringt neben den erwähnten Vorteilen auch Anstrengungen und Änderungen mit sich:

  • Die Automobilindustrie und die Zulieferer stellen ihre bisherigen Produktions- und Lieferprozesse um.
  • Die Produktion leistungsfähiger Batterien mit höherer Reichweite wird zu einem der wichtigsten Erfolgsfaktoren.
  • Der Stromverbrauch wird mit steigender Elektromobilität enorm ansteigen.
  • Bund, Städte und Kommunen müssen ihre Infrastruktur anpassen: leistungsfähige, landesweit lückenlose Lademöglichkeiten für elektrisch betriebene Fahrzeuge sind die wichtigste Herausforderung für die Umsetzung der anvisierten Ziele und für die Akzeptanz der Technologie bei den Nutzern.
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Abbildung 1: Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer arbeitet mit Hochdruck an der Entwicklung von Batterien mit hoher Reichweite

Folgen der Mobilitätswende – Was sich durch Elektromobilität verändert

Die Voraussetzungen der Elektromobilität sind gut: Bund und Regierung verfolgen das Ziel Emissionen reduzieren, während Konsumenten eher bereit sind, umweltfreundliche Antriebsarten zu wählen. 

Schaffung einer Ladeinfrastruktur als Notwendigkeit 

Wenn sich Elektromobilität auf breiter Ebene als die neue Art der Mobilität durchsetzen soll, spielt eine Grundvoraussetzung die wichtigste Rolle: Das Schaffen einer flächendeckenden, bedarfsgerechten Ladeinfrastruktur. Elektromobilität wird unsere Wohnräume verändern. Die Entwicklungen sind vielerorts mit dem Entstehen von Ladesäulen und speziellen Parkplätze bereits deutlich sichtbar. Das schnelle, effiziente Laden der Batterie wird sich zu einem Alleinstellungsmerkmal entwickeln und eine wichtige Rolle an Orten spielen, die im Zentrum der globalen und regionalen Mobilität stehen: an Flughäfen und Bahnhöfen genauso wie in Einkaufszentren, Eigenheimen und am Arbeitsplatz. 

Dieser Anspruch ruht mittlerweile auf handfesten, rechtlich verankerten Säulen: Bereits am 18.05.2016 beschloss das Bundeskabinett ein Marktanreizprogramm zur Förderung der Elektromobilität. Ein wichtiger Punkt dieses Programms ist die Förderung des Aufbaus einer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Vor diesem Hintergrund wird seit Jahresbeginn 2017 der Aufbau einer öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur mithilfe einer anteiligen Finanzierung der Investitionskosten unterstützt. Ziel dieses Programms ist der Aufbau von mindestens 15.000 Stationen zum Schnell- und Standardladen, die Bundesregierung investiert dafür bis Ende 2020 über 300 Millionen Euro in die Förderung privater Investoren als auch in die Unterstützung der Städte und Gemeinden.

Neue Geschäftsfelder strömen in den Markt

Man muss kein Hellseher sein, um das begleitende Businesspotential zu erkennen, das für viele Unternehmen in der Elektromobilität steckt: Neue Geschäftsfelder entstehen in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen rund um die Ladeinfrastruktur für die Hersteller von Ladesäulen, Ladekarten, Ladeboxen, All-In-One-Solutions und vieles mehr. So sieht das deutsche Unternehmen Bosch als einer der größten globalen Automobilzulieferer die Zukunft der Mobilität „automatisiert, vernetzt und elektrifiziert“. Viele Unternehmen in der Automobilindustrie nehmen diese technologische Herausforderung an und wandeln sich zu Anbietern von Mobilitätslösungen rund um die Elektromobilität. Auf der Agenda von Bosch steht dabei unter anderem die landesweite Vernetzung von Ladestationen verschiedenster Anbieter. Auf diese Weise genügt eine Kundenkarte, um überall sein Elektrofahrzeug aufladen zu können. 

Laut einer Studie des Consultingunternehmens Deloitte profitieren insbesondere drei Unternehmensgruppen von einer Ergänzung oder Erweiterung des bisherigen Geschäftsmodells: 

  • Energieversorgungsunternehmen und Infrastrukturbetreiber, wie Stadtwerke und Netzbetreiber
  • Mobilitätsunternehmen wie Automobilhersteller und -zulieferer, Flottenmanager und Verkehrsbetriebe
  • Konsum-, Service- und Real Estate Industrie wie Einkaufszentren, Parkhäuser, Supermärkte, Hotels und Gastronomie

Neben der klassischen Bereitstellung der Ladeinfrastruktur und dem Verkauf von Strom sind somit auch weitergehende Leistungen wie das Bereitstellen von Elektro-Mietwagen bspw. von Sixt, auch zusätzliche Value-Added Services und Cross-Selling-/Marketing-Bundle-Angebote denkbar. Über den zukünftigen Erfolg dieser Geschäftsfelder bestimmt dabei maßgeblich der tatsächliche wirtschaftliche Erfolg der Elektromobilität.  

Vernetzung, Parken und Laden als neue Kernkompentenz

Das Thema Sharing und vernetzte Mobilität wird ebenfalls für neue Geschäftsmodelle sorgen und die Art, wie wir uns fortbewegen, als Kernkompetenz grundlegend verändern. Car Sharing und Mitfahrservices wie MOIA sowie auf Vernetzung basierende Service-Angebote sind hier nur einige Punkte, die in den allgemeinen Fokus rücken. Das Geschäftspotenzial ist in diesem Bereich nach Angaben der Unternehmensberatung PWC enorm: Bis 2025 werden sich mehr als 470 Millionen vernetzte Fahrzeuge global bewegen, bis zum Jahresende 2022 soll das Marktvolumen für Mobilitätsdienste und digitale Services bereits rund 140 Milliarden Euro betragen.

Auch das Lade- und Parkverhalten der Nutzer wird sich im Vergleich zum bekannten Tanken erheblich ändern – denn das Parken selbst wird zur effizienten Ladezeit, die mit in den Tagesablauf einkalkuliert wird. Geladen wird sowohl auswärts als auch zuhause, unterschiedliche Ladekosten lassen eine neue Konkurrenzsituation für die Anbieter entstehen. Besonders für öffentliche Parkflächen und Firmenparkplätze spielt die vorhandene Ladeinfrastruktur eine immer wichtigere Rolle: Geparkt wird zukünftig immer häufiger dort, wo auch geladen werden kann, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum. Unternehmen wie ParkHere und Inno2grid beschäftigen sich mit genau diesen Herausforderungen und entwickeln innovative Lösungen für eine effiziente Parkraumbewirtschaftung mit digitalen Buchungslösungen

Grüne Elektromobilität in Deutschland

Abbildung 2: Das grüne Stadtbild der Zukunft – Elektrofahrzeuge beim Aufladen in der Stadt

Parken & Laden – die Symbiose der (elektro-)mobilen Zukunft

Als Fazit kann festgehalten werden: Die schnell wachsende Elektromobilität wird für Veränderungen in vielen Bereichen sorgen. Neben neuen Geschäftsfeldern und einem veränderten Stadtbild wird sie nicht nur unser Fahrverhalten, sondern auch die allgemeine Parkraumbewirtschaftung verändern. Die Symbiose aus Parken und Laden wird in naher Zukunft eine wichtige Rolle einnehmen, die einen reibungslosen Verkehrsfluss und die Zufriedenheit der Nutzer, Besucher und Mitarbeiter entscheidend beeinflussen kann. Denn „einen Parkplatz suchen“ bedeutet für immer mehr Personen „eine Parkfläche mit integrierter Ladestation suchen.“ Auf diese Weise entwickelt sich die Verfügbarkeit kombinierter Park- und Ladeflächen sukzessive zum USP für Arbeitgeber, Städte und Kommunen.

 

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Quellen: 

https://de.statista.com/statistik/studie/id/66912/dokument/bundle-reporte-zur-elektromobilitaet/

https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/de/Documents/risk/Risk-Deloitte-Ladeinfrastruktur.pdf

https://www.bmvi.de/DE/Themen/Mobilitaet/Infrastrukturplanung-Investitionen/Bundesverkehrswegeplan-2030/bundesverkehrswegeplan-2030.html

https://www.bosch-presse.de/pressportal/de/de/neue-geschaeftsfelder-im-zeitalter-der-elektromobilitaet-145730.html

https://www.pwc.de/de/human-resources/pwc-study-people-management-2025.pdf

alle Quellen wurden am 16.01.20 abgerufen.

Unsere Welt wird smarter, und zwar in rasantem Tempo. Staunten wir Anfang der 2000er Jahre noch über die ersten echten Smart Homes, so entwickeln sich heute ganze Städte zu Smart Cities. Die zunehmende Digitalisierung in den Städten hat indes einen guten Grund: Die Metropolen berherbergen immer mehr Menschen. Dies erfordert eine immer effizientere Verwaltung und Organisation des täglichen Lebens – sonst droht Chaos. Ob Abfallwirtschaft, Energieversorgung oder Verkehrsführung: Smarte Lösungen sind gefragt. Das gilt auch für das innerstädtische Parken.

Der innerstädtische Verkehr

Ein paar Zahlen vorweg: Während zur Jahrtausendwende rund 47 Prozent der Menschen in Städten lebten, sind es heute schon 55 Prozent. Im Jahr 2050 werden es voraussichtlich 75 Prozent sein. Entsprechend stark nimmt auch die städtische Verkehrsdichte zu – und damit auch die Zahl der städtisch bewegten  PKWs. Trotz Förderung des ÖPNV macht der motorisierte Individualverkehr heute etwa 76% des gesamten innerstädtischen Verkehrs aus. Die Folge sind überfüllte Straßen, eine hohe CO2- Belastung und ein eklatanter Mangel an Parkplätzen. Dabei ist die Nachfrage nach Stellplätzen gar nicht kontinuierlich größer als das Angebot. Nur das „Matching“ ist schlecht: Dort, wo ein Autofahrer einen Parkplatz sucht, gibt es oft keinen – und dort, wo gerade ein Parkplatz frei ist, sucht er nicht. Smart-Parking-Lösungen führen Parkplatzsuchende und freie Stellplätze mittels digitaler Steuerungstechnik zusammen. Das reduziert den Suchverkehr erheblich.

„Smart“ bedeutet „vernetzt“

Das Adjektiv „smart“ steht heute bekanntlich nicht nur für „gewitzt“, sondern im Kontext mit Digitaltechnik auch für „intelligent“. Allerdings meint „intelligent“ in diesem Fall digital vernetzt. Smart Cities sind mit zahlreichen Systemen vernetzt und können Bewohnern und Besuchern dadurch eine weitgehend automatisierte Infrastruktur bieten, in der viele Prozesse maschinell gesteuert werden. Ein Beispiel ist das elektronische „Waste Management“. Bei diesem werden die Füllstände öffentlicher Müllcontainer digital erfasst und an einen Zentralrechner übermittelt. Der Rechner lässt die Daten in die Routenplanung für die Müllfahrzeuge einfließen, sodass Leerfahrten vermieden werden. Ein anderes Beispiel ist städtisches „Smart Lighting“, das die Helligkeit von Straßenlaternen steuert. Dabei ist die Steuerung mit  Sensoren vernetzt, die sowohl die Witterungsverhältnisse als auch die Straßenauslastung erfassen und in die Erleuchtung der Laternen einfliessen lassen. So kann das System immer für bedarfsgerechte Helligkeit sorgen. Smart Parking funktioniert nach dem gleichen Prinzip: Parkplätze vernetzen sich mit Smartphones oder mit Fahrzeugen und übermitteln Auslastungs- und Positionsdaten.

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Abbildung 1: Smart Parking erhält Einzug im Parkraumanagement

Auf schnellstem Weg zum freien Stellplatz – durch intelligente App Lösungen

Das Prinzip ist einfach: Plätze, auf denen Autos abgestellt werden können, werden mit Sensortechnik überwacht. Sobald ein Platz frei wird, sendet ein Funkprotokoll die entsprechende Information an einen Server. Ab hier gibt es verschiedene Varianten. Zum einen können die Daten Parkplatzanbietern – also Parkraumbewirtschaftungsunternehmen oder Kommunen – zur Verfügung gestellt werden. Diese werten sie dann mittels eigener Analyseprogramme aus und publizieren die Daten über das Internet (beispielsweise in Stadtportalen). Zum anderen können die Daten von einem beauftragten App-Anbieter gesammelt werden, der sie den Autofahrern auf ihr Smartphone oder auf ihr Navigationssystem schickt. Im Anschluss führt die Elektronik die Autofahrer dann zum ermittelten Parkplatz. Hierbei sind zahlreiche Spezifikationen möglich – etwa, dass bestimmte Parkplätze nur Sonderberechtigten (beispielsweise Anwohnern, Lieferanten, Behinderten) angezeigt werden. Bezahlvorgänge für kostenpflichtige Stellplätze lassen sich dann bargeldlos direkt per App abwickeln.

Parken per App: Das sind die Ansätze und Lösungen

Eine ganze Reihe von Unternehmen ist inzwischen mit dem Thema „Parken per App“ befasst, darunter sowohl Start-ups als auch etablierte Technologiekonzerne. Sie bedienen sich unterschiedlicher Erfassungsmethoden und verfolgen verschiedene Konzepte zur Parkraumidentifikation.

Als größter Player im Smart-Parking-Business gilt der internationale Dienstleister Parkopedia. Die App managt über 60 Millionen digital kartografierte Stellplätze auf bewirtschafteten Parkflächen in der gesamten Welt. Neben Position und Verfügbarkeit werden auch die jeweiligen Parkkosten, akzeptierte Zahlungsarten, Öffnungszeiten und Zufahrtsbeschränkungen angezeigt. Einen ähnlichen Service bietet der Verkehrsinformationsdienst INRIX. Mit Hilfe einer App erfasst er kostenpflichtige öffentliche Parkflächen in 64 Ländern und bietet diese App-Nutzern zum Parken und Bezahlen an. 

 ParkHere, ein 2015 in Deutschland gegründetes Unternehmen, kümmert sich derweil um den B2B-Bereich. Es stellt den Betreibern von Parkflächen (Firmen und Privatparkplätzen) eine Komplettlösung zur Parkraumverwaltung, -belegung und -abrechnung zur Verfügung. Konzerne wie die Deutsche Bahn, BMW und Porsche zählen bereits zu den Kunden der ParkHere-Lösung.

Auch Unternehmen wie Continental , die Telekom und Siemens gehen das Smart Parking an: Sie entwickeln smarte Sensorik für Straßenlaternen. Die Sensorik erkennt dabei  freie Parkplätze anhand der Position und Größe von Freiflächen am Straßenrand. Zusätzlich können durch Falschparker blockierte Radwege und Busspuren  identifiziert werden und den Ordnungsbehörden digital übermittelt werden. Nebenbei messen die Laternen die Luftqualität und liefern somit Daten für die städtischen Kommunen und Umweltämter.  

Smart Parking in der Großstadt: Notwendigkeit statt Prestige-Projekt

Die Etablierung von digital gesteuerten Park-Lösungen ist weniger eine Demonstration des technisch Machbaren als vielmehr eine Notwendigkeit – denn der Verkehr in den urbanen Zentren nimmt Überhand. Rund 30% davon, entfallen auf den Parkplatzsuchverkehr, wodurch schlechte Luftqualitätswerte und hohe Unfallzahlen bedingt werden. Laut einer Studie entstehen durch die Suche nach Parkplätzen pro Jahr 700 Millionen Euro Schaden. Für Städte und Gemeinden, die in Zeiten von Vorgaben zum Schadstoffgehalt der Luft  dringend Maßnahmen zur Verkehrsreduzierung ergreifen müssen, kann Smart Parking ein Weg aus der Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Krise sein; schließlich überschritten im Jahr 2018 noch 57 deutsche Städte den von der EU vorgegebenen Grenzwert zur Luftqualität. Zudem ist ein weiterer Punkt für Städte interessant: Digital gesteuertes Parken entspricht den Erwartungen der Generation Z und den Erwartungen der Smart Economy. Bei den “Digital  Natives” hat das digitale Konsumverhalten auch Einfluss auf die Erwartungen an das Parken – die Leistung muss sofort verfügbar und maximal transparent sein. Metropolen, die dieser Erwartungshaltung entsprechen, sind nicht nur attraktiv für die heranwachsende Generation, sondern  locken auch mehr potenzielle Shopping-Kunden, Unternehmer und Touristen an. Sich smart aufzustellen kann Städten somit helfen, nicht den Anschluss im Städte-Ranking zu verlieren.

Fazit

Fahrzeuge im öffentlichen Raum abstellen zu können, ist eines der Grundbedürfnisse der mobilen Gesellschaft. Anwohner, Pendler, Zulieferer und Besucher sind auf Parkräume angewiesen. Das wird auch in Zukunft so bleiben: Trotz der Diskussionen über Klimaschutz und Stickoxid-Ausstoß will die Mehrheit der Deutschen das Autofahren nicht aufgeben – denn laut Umfragen können sich zwei Drittel nicht vorstellen, auf das Auto zu verzichten. Da Parkplätze dennoch  eine knappe Ressource sind und bleiben, müssen neue Parkraumkonzepte her.  Die derzeitige Vorgehensweise, in der Autofahrer sich erst am Ziel ihrer Fahrt und ohne präzise Individualinformation auf die Stellplatzsuche begeben, ist bei steigendem Verkehrsaufkommen zunehmend untragbar. Smart Parking bietet daher eine vielversprechende Lösung für die Parkraumbewirtschaftung für Parkraumanbieter, Autofahrer und stadtansässige Bürger. Zwar hat die Digitalisierung von Parkräumen gerade erst begonnen, aber die damit befassten Unternehmen – Start-ups, Technologie-Unternehmen und Weltkonzerne – treiben den Prozess im Eiltempo voran. Und immer mehr Unternehmen und Städte beteiligen sich.

 

Quellen und weiterführende Links: 

ihre-parksituation

https://population.un.org/wup/ 

https://www.umweltbundesamt.de/daten/verkehr/fahrleistungen-verkehrsaufwand-modal-split#textpart-3

https://www.wiwo.de/technologie/mobilitaet/smart-parking-wie-apps-und-sensoren-bei-der-parkplatzsuche-helfen/22604550.html

 Gantelet, Lefauconnier (2006): The Time looking for a Parking Space. Strategies, Associated Nuisances and Stakes of Parking Management in France: Proceedings of the European Transport Conference

 https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/daten-zur-luftqualitaet-2018-57-staedte-ueber-dem

 https://www.autogazette.de/stickoxid/fahrverbot/mobilitaet/umfrage-auto-bleibt-bei-vielen-unverzichtbar-989392665.html

 

alle Quellen wurden am 17.12.2019 abgerufen

Eines der bedeutendsten Phänomene des Digitalzeitalters ist das „Internet of Things“ (IoT). Die Vernetzung von Alltagsgegenständen und industriellen Maschinen macht leblose Dinge intelligent – und ermöglicht so Automatisierungstechniken, die noch vor wenigen Jahren nicht vorstellbar waren. Mittlerweile beeinflusst das IoT auch das Thema Parken: Parkplätze kommunizieren mit Smartphones und Fahrzeugen. Dadurch können viele Parkprobleme mit Lösungsmöglichkeiten adressiert werden.

In den 80er- und 90er-Jahren hatten Zukunftsvisionen viel mit selbstständig agierenden Maschinen zu tun – etwa mit selbstfahrenden PKWs und mit automatisierten Haushaltsgeräten. Heute sind diese Visionen Realität. Technologiethemen wie „Connected Cars“, „Autonome Mobilität“ und „Smart Living“ prägen das urbane Leben. Möglich wurde dies durch die Etablierung der Übertragungstechnik LTE, durch Fortschritte in der Sensortechnik und durch RFID-Chips (RFID: “radio frequency identification” zu deutsch „funkbasierte Erkennung“). Wie die Bezeichnung andeutet, lassen sich RFID-Chips mittels Funktechnik aus der Ferne auslesen. Ein direkter Sichtkontakt zwischen Chip und Auslesegerät ist dazu nicht nötig. Objekte, die einen RFID-Chip in sich tragen, können so über das Internet mit einem zentralen Server oder auch miteinander kommunizieren. Diese Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M) ist die Basis für eine Technologiewelt, in der Geräte autonom funktionieren und der Mensch sich um viele Dinge nicht mehr  kümmern braucht. Dazu zählen seit Kurzem auch die Parkplatzsuche und das manuelle Bezahlen von Parkgebühren.

Ohne IoT-Technik geht es künftig nicht mehr

In den großen Ballungszentrum ist Parken derzeit ein echtes Problem – fast überall müssen Autofahrer lange nach einem freien Stellplatz suchen. Die Parkleitsysteme der Städte sind dabei keine große Hilfe, denn sie stammen größtenteils noch aus dem vorigen Jahrtausend. Ihre Technik ist veraltet und störanfällig. Zwar haben etliche Kommunen neue Parkleitsysteme in Planung, aber der Umbau kommt nur langsam  voran. Auch neue Leittechnik allein schafft keine vollkommene Abhilfe : Ein zeitgemäßes Parkleitsystem benötigt auch neue Anzeigetafeln und eine umfangreiche Vernetzung. Moderne Systeme haben LED-Displays die  über eine Internetverbindung verfügen und nicht nur freie Parkhausplätze anzeigen, sondern auch den Parksuchverkehr lenken können. Die webfähigen Leitsysteme der Metropolen Hamburg und Köln ermöglichen es den beiden Städten beispielsweise in ihren Stadtportalen Parkhausbelegungsdaten anzuzeigen – so sehen Autofahrer schon zu Hause, welches Parkhaus sich anzufahren lohnt. Allerdings kann sich die Anzahl der freien Plätze bis zur Ankunft schon wieder geändert haben. Zudem erfassen die neuesten Parkleitsysteme nur Plätze in Parkhäusern. Stellplätze in Parkschein-Zonen und auf Park&Ride-Plätzen werden nicht berücksichtigt. Zur Lösung der Parkplatzproblematik braucht es daher mehr als neue Parkleitsysteme – es braucht das Internet of Things.

Viele digitale Wege führen zum Parkplatz

Der Schlüsselbegriff lautet „sensorgestütztes Parkraummanagement“. Sensoren im Boden oder an Gerüsten erkennen, dass ein besetzter Stellplatz frei wird, und übertragen diese Information an eine Software. Die Software wertet die Information aus und stellt sie den Autofahrern in Echtzeit über das Internet zur Verfügung. Parkplatzsuchende können sie dann über eine App abrufen und sich zum freien Platz navigieren lassen. Das Ganze nennt sich Smart Parking – und ist die Zukunft des modernen Parkraummanagements. Sowohl Großkonzerne wie die Deutsche Telekom als auch Start-ups wie ParkHere oder die Cleverciti Systems GmbH haben das vor einiger Zeit erkannt und bieten heute entsprechende Lösungen an.

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Abbildung 1: Beispiel eines sensorgestützten Parkraummanagements, Quelle: ParkHere

Das Unternehmen Bosch geht einen anderen Weg. Es hat mit „Community-based Parking“ ein cloudbasiertes System für die automatisierte Parkplatzsuche entwickelt. Der Name ist dabei Programm: Die Community, die Gemeinschaft an Autofahrern , tauscht sich aus und gibt Parkplatzinformationen weiter. Technisch betrachtet tauschen sich die Fahrzeuge untereinander aus, wenn sie im Vorbeifahren freie Parklücken über Ultraschallsensoren ermittelt haben(Diese Sensoren sind in allen Neuwagen mit Assistenzsystemen vorhanden). Alle Parklücken-Informationen werden in die Cloud geladen, wo sie für die teilnehmenden Fahrzeuge zugänglich sind. Die Navigationssysteme zeigen die Parklücken an und bringen die Fahrer auf Wunsch dorthin.

Nochmals anders funktioniert das System „ParkNow“ von BMW und Daimler – dieses nutzt Mobilitätsdaten, die von den teilnehmenden Fahrzeugen ins Netz eingespeist werden. Ein Algorithmus berechnet dann auf der Basis des aktuellen Verkehrsaufkommens, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich in einem bestimmten Areal ein freier Parkplatz befindet.

Komfortabel parken – bargeldlos bezahlen

Zum komfortablen Parken mit Netz-Unterstützung gehört auch das elektronische Bezahlen. Beim Parken im öffentlichen Raum funktioniert das folgendermaßen: Nachdem der Autofahrer sein Auto abgestellt hat, startet er den Mietvorgang für seinen Stellplatz über eine App auf dem Smartphone. Daraufhin erhält der Server der Stadtverwaltung die Information, dass ein digitales Parkticket gelöst wurde. Diese Information wird auf den mobilen Geräten der Politessen angezeigt. Will der Autofahrer den Mietvorgang beenden, stoppt er ihn genauso, wie er ihn begonnen hat – nämlich mit dem Smartphone. Vorteil im Vergleich zum Bezahlen am Parkscheinautomaten: Nur die tatsächliche Parkdauer wird minutengenau abgerechnet. Beim Parken in Parkhäusern läuft das Starten und Stoppen des Mietvorgangs vollautomatisch ab: Ein RFID-Chip in der Schrankenanlage registriert Ankunft und Abfahrt des Fahrzeugs, sodass der Fahrer kein physisches Parkticket ziehen muss. Er kann aus dem Parkhaus ausfahren, ohne sich dem Bezahlvorgang widmen zu müssen – Die Abrechnung erfolgt sowohl beim Parken auf der Straße als auch beim Parken im Parkhaus zum Monatsende durch den App-Anbieter.

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Abbildung 2: Möglicher Ablauf des Digitalen Bezahlvorgangs bei ParkHere

 

Vorteile und Nachteile des IoT Parken

Im Vergleich zum herkömmlichen Parken hat das Parken mit IoT-Technik unbestreitbare Vorteile:

  • Zeitersparnis

In deutschen Städten suchen Autofahrer im Durchschnitt 10 Minuten nach einem Parkplatz1. Diese unnötige Suchzeit lässt sich durch Parken per App enorm verkürzen. Zudem entfällt beim elektronischen Bezahlen auch die Zeit, die normalerweise für das Aufsuchen von Kassenautomaten, für eventuelles Schlangestehen und für das Suchen nach Kleingeld aufgewendet werden muss.

  • Geldersparnis

Parken per App ist vergleichsweise günstiger billiger als Parken mit dem Parkschein. Dank der minutengenauen Abrechnung gibt es keine Überzahlung. Beim üblichen Bezahlvorgang in Parkhäusern verschwendeten Deutsche laut einer Studie im Jahr 2017 durchschnittlich 98 Euro aufgrund der Überzahlung von Parkzeiten. Zu dieser direkten Ersparnis addiert sich noch die indirekte Ersparnis, die sich durch die Vermeidung von unnötigen Suchfahrten mit entsprechendem Kraftstoffverbrauch ergibt.

  • Klima-/Umweltschonung

Es liegt auf der Hand, dass auch die Umwelt profitiert – schließlich wird bei kürzeren Parkplatzsuchfahrten weniger Feinstaub und weniger CO2 ausgestoßen.

Die Nachteile des smarten Parkens sind dagegen gering Man benötigt zu jeder Zeit ein (aufgeladenes) Smartphone und eine Netzverbindung. Letztere wird spätestens mit der Etablierung des neuen Mobilfunkstandards 5G immer gegeben sein, denn 5G hat im Vergleich zu 4G eine 100-mal höhere Verbindungsdichte. Bis 2025 verspricht die Deutsche Telekom in Deutschland eine 5G-POP-Abdeckung von 99 %. Für ersteres kann eine Powerbank in der Tasche Abhilfe schaffen.  

Fazit

Parken mit IoT-Unterstützung kann das innerstädtische Parken revolutionieren. Es kommt Autofahrern, Kommunen und Parkraumanbietern gleichermaßen entgegen: Autofahrer wollen wissen, wo freie Parkplätze sind, und sie wollen nur für die Zeit bezahlen, in der sie tatsächlich parken. Städte und Kommunen hingegen wollen wissen, wie der Parkraum ausgelastet ist, um den Verkehr entsprechend steuern zu können. Parkhausbetreiber wiederum wollen ihren Kunden guten Service bieten, um im Wettbewerb gut abzuschneiden. Sensorgestütztes Parken bedient all diese Wünsche. Bis es sich flächendeckend durchsetzt, wird aber noch Zeit vergehen. Selbst das sehr verbreitete „Park-and-Joy“-System der Telekom, das heute in über 100 Städten angeboten wird, ist bislang in erster Linie ein komfortables Bezahlsystem. Die Direktnavigation zu einem freien Stellplatz funktioniert bisher nur in Hamburg. Dennoch: Der Zug des IoT-Parkens gewinnt an Fahrt. Und immer mehr Städte und auch Unternehmen springen auf.

 

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Quellen:

https://parken-aktuell.de/news/parkplatz-suche-verschlingt-viel-zeit-und-geld/

https://web.de/magazine/ratgeber/finanzen-verbraucher/park-apps-parkschein-fuers-handy-33283984

https://www.parkandjoy.de/haeufige-fragen#welche-funktionen-bietet-die-app

Alle Quellen wurden am 05.12.2019 abgerufen