carpooling group in the car

„Carpooling“ oder auch einfach „Fahrgemeinschaft“ – bedeutet nichts anderes, als sich mit mehreren Personen ein Fortbewegungsmittel zu teilen. In einer Gesellschaft, die sich global immer mehr mit den Themen Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Energieeffizienz beschäftigt, hat sich der Begriff mittlerweile zu einem anerkannten Trend der „Sharing Economy“ entwickelt: Carpooling als ein Kennzeichen für die Mobilität der modernen Generation. Dennoch läuft die Implementierung hierzulande schleppend in Städten und Unternehmen an. Wo Carpooling bereits erfolgreich umgesetzt ist und wie man das Thema geschickt fördern kann: Nach dem Lesen dieses Artikels wissen Sie es. 

Teilen statt besitzen – Globale Beispiele für erfolgreiches Carpooling

Beispiele für erfolgreiches Carpooling Konzepte und Politik gibt es mittlerweile sehr viele. 

Das Mitfahrprinzip „Carpooling“ setzt sich mittlerweile immer mehr durch:  In der Schweiz bringt die App Mobility Carpool auf privater Basis Fahrer und Mitreisende zusammen und ermöglicht so geteilte, kosteneffektive Mobilität. Hintergrund: Bisher sitzen in der Schweiz im Pendelverkehr durchschnittlich nur 1,1 Personen in einem Fahrzeug. Ein Wert, der aus ökologischer und ökonomischer Sicht noch ordentlich Luft nach oben besitzt. Die App steht dabei Anbietern und Mitfahrern offen. Nach Aussage der Firmengründer eignen sich regelmäßige Strecken von A nach B besonders für das Carpooling, beispielsweise das berufliche Pendeln oder auch private Fahrten. Egal, ob sie regelmäßig oder einmalig stattfinden. Vergütet wird das Ganze über ein fixes, distanzabhängiges Preismodell; als Treffpunkte dienen schweizweit alle 1.500 Mobility-Standorte und über 20.000 weitere Knotenpunkte. Mobility erwartet „schweizweit weiter einen Anstieg, da die jüngere Generation lieber Sachen teilt als besitzt und vermehrt auf die Nachhaltigkeit setzt.“

In den USA und in Kanada wurden unter dem Eindruck eines wachsenden Energiekonsums und Straßenverkehrs zu Beginn der 80er Jahre sogenannte Carpool Lanes bzw. High-Occupancy Vehicle Lanes (HOV) eingeführt. Dies sind Fahrstreifen, die speziell Fahrgemeinschaften vorbehalten sind und dieses Prinzip auch fördern und attraktiver machen sollen. Nutzen dürfen diese Fahrspuren nur Fahrzeuge mit mindestens zwei, je nach Regelung auch mit mindestens drei Personen. Die Effizienz dieser Maßnahme wurde im Rahmen einer Untersuchung wissenschaftlich belegt: Bei Verwendung der Express Lane nahm die durchschnittliche Reisezeit auf der Interstate 405 im US-Bundesstaat Washington auf einem 15-Meilen-Abschnitt an einem Werktag um 11 Minuten ab. 

carpool lane in the USA

Abbildung: Beispiel einer Carpool-Lane in Los Angeles

In keinem Land der Welt sind die Folgen steigender urbaner Mobilität so spürbar wie in China. Aufgrund der hohen Luftverschmutzung, Verkehrsdichte und PKW-Zahl hat die Regierung frühzeitig Maßnahmen ergriffen, den Verkehr zu reduzieren. China hat eine Kontingentsbegrenzung für private Neuwagenzulassungen in Metropolen erlassen um den Individualverkehr zu begrenzen.  Demnach werden Kennzeichen verlost oder versteigert. Aus diesem Grund ist Carpooling eine weitverbreitete Alternative für die chinesissche Bevölkerung. Das chinesische Unternehmen DiDi Chuxing Technology Co. gilt neben Uber und BlaBlaCar als größte Mobilitätsplattform der Welt und kann mittlerweile auf über 550 Millionen Nutzer und mehrerezig Millionen Fahrer verweisen. Zu seinen Services gehören app-basierte Transportdienste, die das Carpooling-Konzept komplett abdecken: Taxi- und Privatwagen-Fahrten, Mitfahrgelegenheiten, Lieferdienste und darüber hinaus zusätzliche Umsatzbringer wie Kfz-Dienste inklusive Verkauf, Leasing, Finanzierung, Wartung, Flottenbetrieb, Aufladen von Elektrofahrzeugen und sogar die Entwicklung spezieller Fahrzeuge in Kooperation mit etablierten Automobilherstellern. Vielleicht ist es das selbst gesetzte Versprechen, das DiDi so erfolgreich macht: Kein Kunde, der Didi nutzt, soll länger als drei Minuten warten.

Der globale Markt für Carpooling befindet sich auf einem eindeutigen Wachstumskurs. Dabei machen app-basierte Fahrgemeinschaften den Hauptanteil unter sich aus, in 2018 beispielsweise über 83%. Laut der aktuellen Studie „Global Carpooling Software Market“ betrug die Größe des globalen Mitfahrmarktes in 2019 insgesamt 5,7 Milliarden US-Dollar. Bis zum Jahr 2026 soll dieser Wert auf über 15 Milliarden steigen. Und auch in Deutschland ist ein Trend zur Akzeptanz und Nutzung erkennbar: Einer Umfrage zufolge, sind in Deutschland 70% mit dem Carpooling Angebot zufrieden und bereit zur Nutzung. Neben dem Nachhaltigkeits- und Umweltaspekt baut sich im Bereich des Carpooling hier also auch sukzessive ein attraktives Businesspotential auf.

Carpooling in Deutschland – Wege zum Durchbruch ?

Zielgerichtete politische und privatwirtschaftliche Maßnahmen könnten die weitere Verbreitung und Akzeptanz von Carpooling in Deutschland erheblich beschleunigen. Dabei stehen vor allem finanzielle und infrastrukturelle Anreize im Vordergrund, die von unterschiedlichen Gruppen bereitgestellt werden:

  • Incentivierung Carpooling durch die Politik

Der Politik fällt für die Etablierung von Carpooling-Modellen eine entscheidende Rolle zu. Der Wille ist mittlerweile anscheinend vorhanden: Verkehrsminister Andreas Scheuer erklärte in 2019, Mobilitätsdienste per Gesetz zu stärken und den digitalen Plattformen für Carpooling damit  Rechtssicherheit zu verleihen. Protagonisten wie App-Anbieter Uber, aber auch Automobilhersteller wie BMW, Daimler und Volkswagen drängen mit ihren Konzepten und Ideen für neue Mobilität auf die Unterstützung durch die Politik.

Entscheidend für die Etablierung plattformbasierter und digitaler Mobilitätsangebote wie Carpooling wird vor allem eine Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes sein. In anderen Bereichen hat dies bereits gewirkt: Seit der Liberalisierung des Fernbus-Marktes boomt der Markt und verhalf Unternehmen wie beispielsweise Flixbus zum Durchbruch. Der Anspruch des Verkehrsministeriums ist es, Poolingmodelle zu stärken „und etwaige Regelungshindernisse“ zu beseitigen, um so „den Individualverkehr in den Städten zu reduzieren und in ländlichen Räumen eine bessere Versorgung mit bezahlbaren Mobilitätsleistungen zu gewährleisten.“ Sinnvoll ist in diesem Zusammenhang ein Mix aus Regulierung und Liberalisierung: Neue Angebot sollen möglich sein, dürfen aber den öffentlichen Nahverkehr nicht kannibalisieren. Konkret geht es beispielsweise um weitere folgende Ansätze: Steuerliches Entlasten bestehender und geplanter Car Pooling-Konzepte wie beim öffentlichen Nahverkehr und das Einrichten von separaten Schnellspuren (zur Erinnerung: HOV bzw. Fast Lanes) auf deutschen Straßen für Fahrgemeinschaften. 

  • Incentivierung Carpooling durch Städte und Kommunen

Städte und Kommunen haben eine besondere Verantwortung, wenn es darum geht, Carpooling zum Durchbruch zu Verhelfen. Sie können spezielle Parkflächen zu vergünstigten Preisen – im besten Fall gratis – für Fahrgemeinschaften zur Verfügung stellen. Im Idealfall beziehen sie bei der Verkehrsplanung bestehende Carpooling-Konzepte von Beginn an mit ein. Sinnvoll ist auch das Einrichten spezieller Pilotregionen als Testballon für positiv beeinflussende Änderungen der gesetzlichen und ordnungsrechtlichen Rahmenbedingungen. 

  • Incentivierung Carpooling durch Unternehmen

Unternehmen können einen großen Beitrag zur Nutzung von Carpooling speziell für ihre Mitarbeiter leisten. Dazu zählt beispielsweise die Bereitstellung präferierter Stellplätze. Die Zeit für derartige Maßnahmen ist mittlerweile gekommen: Global agierende Unternehmen wie Siemens oder Toyota fördern Carpooling unter ihren Mitarbeitern, das Thema nachhaltige Mobilität ist auch dort im Bewusstsein angekommen. Prosperierende Start-ups wie Wunder Mobility, Carployee aber auch etablierte Unternehmen wie die Schwarz-Gruppe bieten mit beispielsweise Twogo, digitale Lösungen, die zielgerichtet genau diese Bedürfnisse abdecken. Smarte Parkraumbewirtschaftungslösungen wie von ParkHere sind in diesem Zusammenhang ein ideales Beispiel für die intelligente Umsetzung nachhaltiger Konzepte.

  • Incentivierung Carpooling durch App-Anbieter

Auch die Anbieter der Carpooling Apps haben spezielle Möglichkeiten, Anreize für eine erhöhte Nutzung für Fahrer und Mitfahrer zu schaffen. Das Unternehmen BlablaCar stellt dies beispielsweise sicher, indem es diverse, preislich vergünstigte Sonderangebote bietet: Willkommensangebote, Willkommen-zurück-Angebote und vor allem Kurzstrecken-Angebote. So kann jeder Mitfahrer beim Buchen von Strecken unter 200 km innerhalb Deutschlands, Italiens oder Polens BlaBlaCar kostenlos nutzen.

  • Incentivierung Carpooling durch Nutzer

Im privaten Carpooling-Sektor spielen die Nutzer eine relativ einfache, dafür aber umso entscheidendere Rolle: Je mehr Fahrten über die etablierten Apps wie BlaBlaCar vermittelt werden, umso schneller wird sich das Konzept durchsetzen. Intensive Nutzung ist der Schlüssel zur Massenanwendung. Die Attraktivität der Carpooling Apps steht und fällt mit der Menge der Ziele und Mitfahrgelegenheiten, die von den Autobesitzern eingestellt werden – ein höheres Angebot sorgt hier beinahe automatisch für höhere Nutzerzahlen. Daher sollten Fahrer und Mitfahrer mit gutem Beispiel voran gehen.

Fazit: Carpooling als entscheidender Baustein für eine nachhaltige Mobilität 

Innerhalb der Vision einer globalen intelligenten, vernetzten Mobilität bildet das Prinzip des Carpooling demnach einen bedeutenden Bestandteil, auch für die deutsche Mobilität. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand: Geringere Kosten für die Fahrer und Mitfahrer, Verbesserung der Lebens- und Umweltqualität durch Reduktion von Emissionen und Lärm für Anwohner und Entlastung des Verkehrs und damit die Verbesserung des Verkehrsflusses in der Stadt und auf Autobahnen.

Nachhaltige, innovative Mobilitätslösungen können auf diese Weise effizient und sinnvoll zur sozialen Teilhabe, zum gesellschaftlichen Fortschritt und zum wirtschaftlichen Wachstum beitragen. Menschen, die ihre Mobilität zuvor ohne eigenes Auto gestaltet haben, besitzen durch die Nutzung des Carpooling eine höhere Mobilität beispielsweise durch den einfacheren Zugang zu einem Auto und werden das Angebot auch entsprechend öfter nutzen. Für Unternehmen, Verwaltungen und Institutionen ist Carpooling deshalb attraktiv, weil die Kosten für einen eigenen Fuhrpark oft erheblich über denen für eine temporäre Nutzung liegen. Firmenfahrzeuge stehen abends oder am Wochenende so nicht mehr ungenutzt herum, die allgemeinen Mobilitätskosten sinken nachweislich.

Wie schnell sich intelligente, smarte Carpooling Lösungen in Deutschland durchsetzen, hängt jedoch auch nicht zuletzt mit den wirtschaftlichen und politischen Förderaktivitäten und geeigneten Maßnahmen zusammen. Die hohe Bedeutung für die Zukunft ist allerdings bereits jetzt unverkennbar und hat dafür gesorgt, dass viele Start-Ups und auch etablierte Unternehmen digitale Lösungen für diesen Markt entwickelt haben. In jedem Falle gilt es für Politik, Städte, Kommunen, Unternehmen und Nutzer den Durchbruch des Carpooling im Rahmen ihrer Möglichkeiten voranzutreiben und als Beispiel voranzugehen. 

 

ihre-parksituation

Quellen: 

https://www.1815.ch/news/wallis/aktuell/seit-1997-bietet-mobility-carsharing-genossenschaft-1480-standorten-ganze-schweiz-auch-wallis-angebot/

https://www.carsharing.de/alles-ueber-carsharing/carsharing-zahlen

https://de.wikipedia.org/wiki/High-occupancy_vehicle_lane

https://www.zeit.de/2018/15/carsharing-daimler-bmw-drivenow-car2go-fusion

https://en.wikipedia.org/wiki/DiDi#Services

https://www.spiegel.de/spiegel/wie-die-chinesischen-regierung-gegen-den-verkehrskollaps-kaempft-a-1167154.html

https://www.handelsblatt.com/auto/nachrichten/fahrzeug-zulassungen-in-china-das-roulettespiel-ums-autokennzeichen/8630880.html?ticket=ST-1742556-pyjs4yNH3bDZWkYIdODM-ap4

https://www.mobility.ch/de/news/mobility-journal/mobility-journal-02-2018/mobility-carpool-die-mitfahr-plattform/

https://www.zukunft-mobilitaet.net/167759/analyse/mitnahme-ridesharing-laendlicher-raum-einstellungen-geometrie-trajektorie/

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/carsharing-verkehrsminister-scheuer-will-mobilitaetsdienste-per-gesetz-staerken/24005432.html?ticket=ST-1852881-0qeUuIFumpeVsiLYtiA5-ap2

alle Quellen wurden am 05.02.2020 abgerufen.