Unsere Welt wird smarter, und zwar in rasantem Tempo. Staunten wir Anfang der 2000er Jahre noch über die ersten echten Smart Homes, so entwickeln sich heute ganze Städte zu Smart Cities. Die zunehmende Digitalisierung in den Städten hat indes einen guten Grund: Die Metropolen berherbergen immer mehr Menschen. Dies erfordert eine immer effizientere Verwaltung und Organisation des täglichen Lebens – sonst droht Chaos. Ob Abfallwirtschaft, Energieversorgung oder Verkehrsführung: Smarte Lösungen sind gefragt. Das gilt auch für das innerstädtische Parken.

Der innerstädtische Verkehr

Ein paar Zahlen vorweg: Während zur Jahrtausendwende rund 47 Prozent der Menschen in Städten lebten, sind es heute schon 55 Prozent. Im Jahr 2050 werden es voraussichtlich 75 Prozent sein. Entsprechend stark nimmt auch die städtische Verkehrsdichte zu – und damit auch die Zahl der städtisch bewegten  PKWs. Trotz Förderung des ÖPNV macht der motorisierte Individualverkehr heute etwa 76% des gesamten innerstädtischen Verkehrs aus. Die Folge sind überfüllte Straßen, eine hohe CO2- Belastung und ein eklatanter Mangel an Parkplätzen. Dabei ist die Nachfrage nach Stellplätzen gar nicht kontinuierlich größer als das Angebot. Nur das „Matching“ ist schlecht: Dort, wo ein Autofahrer einen Parkplatz sucht, gibt es oft keinen – und dort, wo gerade ein Parkplatz frei ist, sucht er nicht. Smart-Parking-Lösungen führen Parkplatzsuchende und freie Stellplätze mittels digitaler Steuerungstechnik zusammen. Das reduziert den Suchverkehr erheblich.

„Smart“ bedeutet „vernetzt“

Das Adjektiv „smart“ steht heute bekanntlich nicht nur für „gewitzt“, sondern im Kontext mit Digitaltechnik auch für „intelligent“. Allerdings meint „intelligent“ in diesem Fall digital vernetzt. Smart Cities sind mit zahlreichen Systemen vernetzt und können Bewohnern und Besuchern dadurch eine weitgehend automatisierte Infrastruktur bieten, in der viele Prozesse maschinell gesteuert werden. Ein Beispiel ist das elektronische „Waste Management“. Bei diesem werden die Füllstände öffentlicher Müllcontainer digital erfasst und an einen Zentralrechner übermittelt. Der Rechner lässt die Daten in die Routenplanung für die Müllfahrzeuge einfließen, sodass Leerfahrten vermieden werden. Ein anderes Beispiel ist städtisches „Smart Lighting“, das die Helligkeit von Straßenlaternen steuert. Dabei ist die Steuerung mit  Sensoren vernetzt, die sowohl die Witterungsverhältnisse als auch die Straßenauslastung erfassen und in die Erleuchtung der Laternen einfliessen lassen. So kann das System immer für bedarfsgerechte Helligkeit sorgen. Smart Parking funktioniert nach dem gleichen Prinzip: Parkplätze vernetzen sich mit Smartphones oder mit Fahrzeugen und übermitteln Auslastungs- und Positionsdaten.

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Abbildung 1: Smart Parking erhält Einzug im Parkraumanagement

Auf schnellstem Weg zum freien Stellplatz – durch intelligente App Lösungen

Das Prinzip ist einfach: Plätze, auf denen Autos abgestellt werden können, werden mit Sensortechnik überwacht. Sobald ein Platz frei wird, sendet ein Funkprotokoll die entsprechende Information an einen Server. Ab hier gibt es verschiedene Varianten. Zum einen können die Daten Parkplatzanbietern – also Parkraumbewirtschaftungsunternehmen oder Kommunen – zur Verfügung gestellt werden. Diese werten sie dann mittels eigener Analyseprogramme aus und publizieren die Daten über das Internet (beispielsweise in Stadtportalen). Zum anderen können die Daten von einem beauftragten App-Anbieter gesammelt werden, der sie den Autofahrern auf ihr Smartphone oder auf ihr Navigationssystem schickt. Im Anschluss führt die Elektronik die Autofahrer dann zum ermittelten Parkplatz. Hierbei sind zahlreiche Spezifikationen möglich – etwa, dass bestimmte Parkplätze nur Sonderberechtigten (beispielsweise Anwohnern, Lieferanten, Behinderten) angezeigt werden. Bezahlvorgänge für kostenpflichtige Stellplätze lassen sich dann bargeldlos direkt per App abwickeln.

Parken per App: Das sind die Ansätze und Lösungen

Eine ganze Reihe von Unternehmen ist inzwischen mit dem Thema „Parken per App“ befasst, darunter sowohl Start-ups als auch etablierte Technologiekonzerne. Sie bedienen sich unterschiedlicher Erfassungsmethoden und verfolgen verschiedene Konzepte zur Parkraumidentifikation.

Als größter Player im Smart-Parking-Business gilt der internationale Dienstleister Parkopedia. Die App managt über 60 Millionen digital kartografierte Stellplätze auf bewirtschafteten Parkflächen in der gesamten Welt. Neben Position und Verfügbarkeit werden auch die jeweiligen Parkkosten, akzeptierte Zahlungsarten, Öffnungszeiten und Zufahrtsbeschränkungen angezeigt. Einen ähnlichen Service bietet der Verkehrsinformationsdienst INRIX. Mit Hilfe einer App erfasst er kostenpflichtige öffentliche Parkflächen in 64 Ländern und bietet diese App-Nutzern zum Parken und Bezahlen an. 

 ParkHere, ein 2015 in Deutschland gegründetes Unternehmen, kümmert sich derweil um den B2B-Bereich. Es stellt den Betreibern von Parkflächen (Firmen und Privatparkplätzen) eine Komplettlösung zur Parkraumverwaltung, -belegung und -abrechnung zur Verfügung. Konzerne wie die Deutsche Bahn, BMW und Porsche zählen bereits zu den Kunden der ParkHere-Lösung.

Auch Unternehmen wie Continental , die Telekom und Siemens gehen das Smart Parking an: Sie entwickeln smarte Sensorik für Straßenlaternen. Die Sensorik erkennt dabei  freie Parkplätze anhand der Position und Größe von Freiflächen am Straßenrand. Zusätzlich können durch Falschparker blockierte Radwege und Busspuren  identifiziert werden und den Ordnungsbehörden digital übermittelt werden. Nebenbei messen die Laternen die Luftqualität und liefern somit Daten für die städtischen Kommunen und Umweltämter.  

Smart Parking in der Großstadt: Notwendigkeit statt Prestige-Projekt

Die Etablierung von digital gesteuerten Park-Lösungen ist weniger eine Demonstration des technisch Machbaren als vielmehr eine Notwendigkeit – denn der Verkehr in den urbanen Zentren nimmt Überhand. Rund 30% davon, entfallen auf den Parkplatzsuchverkehr, wodurch schlechte Luftqualitätswerte und hohe Unfallzahlen bedingt werden. Laut einer Studie entstehen durch die Suche nach Parkplätzen pro Jahr 700 Millionen Euro Schaden. Für Städte und Gemeinden, die in Zeiten von Vorgaben zum Schadstoffgehalt der Luft  dringend Maßnahmen zur Verkehrsreduzierung ergreifen müssen, kann Smart Parking ein Weg aus der Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Krise sein; schließlich überschritten im Jahr 2018 noch 57 deutsche Städte den von der EU vorgegebenen Grenzwert zur Luftqualität. Zudem ist ein weiterer Punkt für Städte interessant: Digital gesteuertes Parken entspricht den Erwartungen der Generation Z und den Erwartungen der Smart Economy. Bei den “Digital  Natives” hat das digitale Konsumverhalten auch Einfluss auf die Erwartungen an das Parken – die Leistung muss sofort verfügbar und maximal transparent sein. Metropolen, die dieser Erwartungshaltung entsprechen, sind nicht nur attraktiv für die heranwachsende Generation, sondern  locken auch mehr potenzielle Shopping-Kunden, Unternehmer und Touristen an. Sich smart aufzustellen kann Städten somit helfen, nicht den Anschluss im Städte-Ranking zu verlieren.

Fazit

Fahrzeuge im öffentlichen Raum abstellen zu können, ist eines der Grundbedürfnisse der mobilen Gesellschaft. Anwohner, Pendler, Zulieferer und Besucher sind auf Parkräume angewiesen. Das wird auch in Zukunft so bleiben: Trotz der Diskussionen über Klimaschutz und Stickoxid-Ausstoß will die Mehrheit der Deutschen das Autofahren nicht aufgeben – denn laut Umfragen können sich zwei Drittel nicht vorstellen, auf das Auto zu verzichten. Da Parkplätze dennoch  eine knappe Ressource sind und bleiben, müssen neue Parkraumkonzepte her.  Die derzeitige Vorgehensweise, in der Autofahrer sich erst am Ziel ihrer Fahrt und ohne präzise Individualinformation auf die Stellplatzsuche begeben, ist bei steigendem Verkehrsaufkommen zunehmend untragbar. Smart Parking bietet daher eine vielversprechende Lösung für die Parkraumbewirtschaftung für Parkraumanbieter, Autofahrer und stadtansässige Bürger. Zwar hat die Digitalisierung von Parkräumen gerade erst begonnen, aber die damit befassten Unternehmen – Start-ups, Technologie-Unternehmen und Weltkonzerne – treiben den Prozess im Eiltempo voran. Und immer mehr Unternehmen und Städte beteiligen sich.

 

Quellen und weiterführende Links: 

ihre-parksituation

https://population.un.org/wup/ 

https://www.umweltbundesamt.de/daten/verkehr/fahrleistungen-verkehrsaufwand-modal-split#textpart-3

https://www.wiwo.de/technologie/mobilitaet/smart-parking-wie-apps-und-sensoren-bei-der-parkplatzsuche-helfen/22604550.html

 Gantelet, Lefauconnier (2006): The Time looking for a Parking Space. Strategies, Associated Nuisances and Stakes of Parking Management in France: Proceedings of the European Transport Conference

 https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/daten-zur-luftqualitaet-2018-57-staedte-ueber-dem

 https://www.autogazette.de/stickoxid/fahrverbot/mobilitaet/umfrage-auto-bleibt-bei-vielen-unverzichtbar-989392665.html

 

alle Quellen wurden am 17.12.2019 abgerufen