Unternehmensparkplatz

Parkflächen sind heute in weiten Teilen Deutschlands Mangelware. Das gilt nicht nur für den öffentlichen Raum: Auch auf firmeneigenen – oder firmenseitig angemieteten – Arealen ist das Stellplatzangebot oft knapp. Entsprechend häufig entsteht Parkdruck für die Angestellten und es kommt zu großer Konkurrenz um die raren Stellplätze rund um das Firmengebäude, der sich störend auf den Betrieb auswirken kann. Dabei könnten viele Unternehmen die Parksituation mit wenig Aufwand verbessern.

Eines vorweg: In Deutschland ist kein Arbeitgeber dazu verpflichtet, seinen Mitarbeitern Parkflächen zur Verfügung zu stellen (Bundesarbeitsgericht, AZR 290/57). Der Arbeitgeber muss lediglich dann für Parkflächen sorgen, wenn eine Arbeitsstelle derart abgelegen ist, dass sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln praktisch nicht erreicht werden kann. Firmeneigene Parkplätze sind daher ein interessantes Gut mit Vor- und Nachteilen.
Einerseits bieten sie für Unternehmen eine Reihe von Vorteilen: Sie reduzieren die Wahrscheinlichkeit von Verspätungen am Arbeitsplatz, dienen bei Einstellungsgesprächen als „Verkaufsargument“, und können – je nach Bewirtschaftungssystem – ein Leistungsanreiz bzw. eine Alternative zur Gehaltserhöhung sein. Andererseits bergen sie auch Risiken: Bei Stellplatzknappheit steigt die Wahrscheinlichkeit von Verspätungen an und tägliche Parkplatzkonkurrenz schürt Konflikte in der Belegschaft. Demnach gilt es die vorhandenen Stellplätze effizient zu nutzen, wenn keine zusätzlichen Stellplätze aus Kosten- oder Platzgründen verfügbar sind. Der Schlüssel dazu sind digital gesteuerte Überwachungs- und Management-Systeme, wie sie von verschiedenen Dienstleistern angeboten werden.

Die Ursachen für Stellplatzmangel

Die häufigste Ursache für Stellplatzmangel auf Firmenparkplätzen ist eine gravierende Diskrepanz zwischen der Anzahl der Plätze und der Anzahl der Mitarbeiter. Hat ein Unternehmen 50 Mitarbeiter, aber nur 20 Stellplätze, dann sind Parkplatzprobleme kaum vermeidbar. Bei einem deutlichen Stellplätze-Mitarbeiter-Missverhältnis gibt es für Unternehmen verschiedene Möglichkeiten, der Situation Abhilfe zu verschaffen. Eine mögliche Maßnahmen bildet die Einführung eines rotierenden Berechtigungssystems, das Abwesenheiten (bspw. durch Krankheit, Urlaub oder Home-Office) berücksichtigt. Eine andere Ursache für Parkplatzmangel ist unberechtigtes Parken. Stellplätze, die nicht mechanisch blockierbar sind, werden von Fremdparkern besetzt. Die Gründe dafür können vielseitig sein: Achtlosigkeit, Desorientierung oder die Überzeugung, dass ein freier Stellplatz gerade nicht anderweitig gebraucht wird. Und dann gibt es natürlich noch Besucher: Kunden, Lieferanten, Dienstleister, freie Mitarbeiter – sie alle können ein eigentlich ausreichendes Stellplatzangebot zeitweise oder dauerhaft verknappen.

Nutzungseffizienz – ein unterschätzter Faktor

Auf der Suche nach möglichen Lösungen sollte die Nutzungseffizienz der bestehenden Parkplätzen analysiert werden. Ein rechnerisch vorliegender Stellplatzmangel kann durch Digitalisierung der hocheffiziente Parkflächennutzung ausgeglichen werden. Das ist darauf zurückzuführen, dass bei Parkflächen neben dem Parameter „Platz“ auch der Aspekt „Zeit“ eine Rolle spielt: Eine Stellfläche ist 24 Stunden am Tag vorhanden – sie wird aber nicht jeden Tag rund um die Uhr genutzt. Mit intelligenten digitalen Lösungen lässt sich die Parkplatzauslastung der firmeneigenen Stellplätze optimieren. 

Herausforderungen und Lösungen im Überblick

Flexibilität

Bei fest zugewiesenen Parkplätzen ist schlechte Auslastung beinahe systemimmanent. Sobald ein Mitarbeiter auf Fortbildung oder im Urlaub ist, bleibt sein Stellplatz nämlich leer – aber andere Mitarbeiter dürfen ihn nicht benutzen. Hier kann schon ein einfacher digitaler Parkkalender für Besserung sorgen, in dem jeder seine geplanten Abwesenheiten einträgt und auf den alle Zugriff haben. Eine noch intelligentere Lösung ist die Abkehr von der personalisierten Stellplatzzuweisung. Insbesondere dann, wenn generell viel Fluktuation auf dem Parkgelände herrscht (etwa wegen unterschiedlicher Arbeitszeiten), lässt sich so Parkkapazität gewinnen. Durch den Einsatz von Sensoren können den Mitarbeitern dann freie Parkflächen vermittelt werden, die Informationen werden ihnen über eine Mobile-App auf dem Smartphone und vor Ort auf Zähltafeln angezeigt.

Erfassung/Detektion

Wenn in einem Unternehmen ein Parkkalender oder ein Parkplatzmanagementsystem existiert, sind eingetragene Kapazitäten und physikalisch freie Plätze dennoch zwei verschiedene Paar Schuhe. Arbeitet beispielsweise ein Teilzeit-Mitarbeiter regelmäßig bis 13 Uhr im Unternehmen, so gilt sein Stellplatz bis 12:59 Uhr im System als belegt. Wenn der Mitarbeiter dann ausnahmsweise einmal eine Viertelstunde früher Feierabend macht, ist sein Stellplatz zwar ab 11:45 Uhr frei – einem Besucher, der um diese Zeit eintrifft, wird aber trotzdem die Zufahrt verwehrt. Hier schaffen vernetzte Schranken mit automatischer Kennzeichenerkennung Abhilfe. Sie übertragen Informationen über die tatsächliche Belegung der Parkanlagen in Echtzeit an eine Zentrale, wo sie ausgewertet und verarbeitet werden können. Das nachträgliche Vernetzen von Schranken ist in der Regel problemlos möglich und auch nicht teuer.

Schrankenanlage mit Kennzeichenerkennung

Eine Möglichkeit der Erfassung von Fahrzeugen bietet eine Schrankenanlage mit Kennzeichenerkennung, Quelle: ParkHere

Abfahrtswegplanung und Zeitplanung

Eine sehr einfache, aber zweischneidige Möglichkeit der maximalen Parkraumnutzung besteht darin, das „Zuparken“ von ordnungsgemäß abgestellten Autos zuzulassen. Mit vorausschauender Abfahrtszeitplanung – auch dafür gibt es Software-Lösungen – lassen sich etliche Stellplätze hinzugewinnen. Es sollte dann aber gewährleistet sein, dass die Fahrerinnen und Fahrer der blockierenden Fahrzeuge jederzeit erreichbar sind, beispielsweise über Lautsprecher im Gebäude oder ihr Smartphone.

Sperr- und /Kontrollmöglichkeiten

Wie schon erwähnt, gehen Stellplätze auch durch Fremd- und Falschparker verloren. Dagegen helfen entweder Zugangskontrollanlagen vor dem Areal (z. B. terminalbewehrte Schranken) oder Sperrbügel auf den Stellplätzen. Moderne Sperrbügelsysteme sind elektrisch gesteuert, den Strom liefern Solarpanels in Kombination mit leistungsfähigen Akkus. Die Aktivierung bzw. Deaktivierung erfolgt über Web-Applikationen oder über Smartphone- Anwendungen.

Bild einer Schrankenanlage

eine Möglichkeit der Zufahrtsbeschränkung bildet eine Schrankenanlage, Quelle: ParkHere

Die Rechtslage: Welche Freiheiten haben Arbeitgeber in puncto Stellplatzvergabe?

Angesichts der Vielzahl an Möglichkeiten, die es im Hinblick auf die Optimierung der Auslastung von Firmenparkplätzen gibt, steht eine wichtige Frage im Raum: Wie frei sind Unternehmen überhaupt in der Wahl der Mittel? Dürfen Chefs verfügen, dass Stellplätze variabel vergeben werden? Und dürfen sie es auch dann, wenn die Mitarbeiter für die Plätze bezahlen? Immerhin gelten feste Stellplätze auch als Statussymbol: Je nach Unternehmenskultur kommt es nicht nur darauf an, welches Auto man fährt, sondern auch, wo es parkt. So haben zum Beispiel Führungskräfte oftmals besser platzierte Stellplätze als einfache Angestellte.

Die Rechtslage ist folgende: Arbeitgeber dürfen firmeneigene Parkplätze grundsätzlich so verteilen, wie sie möchten – es gibt allerdings zwei wichtige Einschränkungen. Zum einen hat der Betriebsrat beim Verteilen der Stellplätze bzw. beim Festlegen der Vergabekriterien ein Mitbestimmungsrecht (Bundesarbeitsgericht, 1 ABR 63/10). Zum anderen gilt auch bei der Parkplatzzuteilung das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Dieses verbietet es allerdings nicht, Führungskräfte bei der Stellplatzvergabe zu bevorzugen oder beleuchtete Parkplätze für weibliche Angestellte zu reservieren.

Fazit

Parkplätze für Mitarbeiter oder für Besucher vorzuhalten, ist für Unternehmen grundsätzlich von Vorteil. Ist die Nachfrage größer als das Angebot, so sollte das Hauptaugenmerk auf einer Steigerung der Nutzungseffizienz liegen. Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, mit denen sich die Auslastung von Firmenparkplätzen verbessern lässt. Einige sind sehr schnell und praktisch ohne Kosten umsetzbar – wie z. B. die Einführung eines Parkkalenders –, andere erfordern einen gewissen Investitionsaufwand (Einrichtung von Zugangskontrollsystemen) oder auch bauliche Veränderungen (Installation von Zugangsterminals mit Solarpanels). Unterm Strich sind diejenigen Maßnahmen, die mit Kosten verbunden sind, im Vergleich zur Anschaffung von neuen Stellplätzen die weitaus günstigere Lösung.