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Eines der bedeutendsten Phänomene des Digitalzeitalters ist das „Internet of Things“ (IoT). Die Vernetzung von Alltagsgegenständen und industriellen Maschinen macht leblose Dinge intelligent – und ermöglicht so Automatisierungstechniken, die noch vor wenigen Jahren nicht vorstellbar waren. Mittlerweile beeinflusst das IoT auch das Thema Parken: Parkplätze kommunizieren mit Smartphones und Fahrzeugen. Dadurch können viele Parkprobleme mit Lösungsmöglichkeiten adressiert werden.

In den 80er- und 90er-Jahren hatten Zukunftsvisionen viel mit selbstständig agierenden Maschinen zu tun – etwa mit selbstfahrenden PKWs und mit automatisierten Haushaltsgeräten. Heute sind diese Visionen Realität. Technologiethemen wie „Connected Cars“, „Autonome Mobilität“ und „Smart Living“ prägen das urbane Leben. Möglich wurde dies durch die Etablierung der Übertragungstechnik LTE, durch Fortschritte in der Sensortechnik und durch RFID-Chips (RFID: “radio frequency identification” zu deutsch „funkbasierte Erkennung“). Wie die Bezeichnung andeutet, lassen sich RFID-Chips mittels Funktechnik aus der Ferne auslesen. Ein direkter Sichtkontakt zwischen Chip und Auslesegerät ist dazu nicht nötig. Objekte, die einen RFID-Chip in sich tragen, können so über das Internet mit einem zentralen Server oder auch miteinander kommunizieren. Diese Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M) ist die Basis für eine Technologiewelt, in der Geräte autonom funktionieren und der Mensch sich um viele Dinge nicht mehr  kümmern braucht. Dazu zählen seit Kurzem auch die Parkplatzsuche und das manuelle Bezahlen von Parkgebühren.

Ohne IoT-Technik geht es künftig nicht mehr

In den großen Ballungszentrum ist Parken derzeit ein echtes Problem – fast überall müssen Autofahrer lange nach einem freien Stellplatz suchen. Die Parkleitsysteme der Städte sind dabei keine große Hilfe, denn sie stammen größtenteils noch aus dem vorigen Jahrtausend. Ihre Technik ist veraltet und störanfällig. Zwar haben etliche Kommunen neue Parkleitsysteme in Planung, aber der Umbau kommt nur langsam  voran. Auch neue Leittechnik allein schafft keine vollkommene Abhilfe : Ein zeitgemäßes Parkleitsystem benötigt auch neue Anzeigetafeln und eine umfangreiche Vernetzung. Moderne Systeme haben LED-Displays die  über eine Internetverbindung verfügen und nicht nur freie Parkhausplätze anzeigen, sondern auch den Parksuchverkehr lenken können. Die webfähigen Leitsysteme der Metropolen Hamburg und Köln ermöglichen es den beiden Städten beispielsweise in ihren Stadtportalen Parkhausbelegungsdaten anzuzeigen – so sehen Autofahrer schon zu Hause, welches Parkhaus sich anzufahren lohnt. Allerdings kann sich die Anzahl der freien Plätze bis zur Ankunft schon wieder geändert haben. Zudem erfassen die neuesten Parkleitsysteme nur Plätze in Parkhäusern. Stellplätze in Parkschein-Zonen und auf Park&Ride-Plätzen werden nicht berücksichtigt. Zur Lösung der Parkplatzproblematik braucht es daher mehr als neue Parkleitsysteme – es braucht das Internet of Things.

Viele digitale Wege führen zum Parkplatz

Der Schlüsselbegriff lautet „sensorgestütztes Parkraummanagement“. Sensoren im Boden oder an Gerüsten erkennen, dass ein besetzter Stellplatz frei wird, und übertragen diese Information an eine Software. Die Software wertet die Information aus und stellt sie den Autofahrern in Echtzeit über das Internet zur Verfügung. Parkplatzsuchende können sie dann über eine App abrufen und sich zum freien Platz navigieren lassen. Das Ganze nennt sich Smart Parking – und ist die Zukunft des modernen Parkraummanagements. Sowohl Großkonzerne wie die Deutsche Telekom als auch Start-ups wie ParkHere oder die Cleverciti Systems GmbH haben das vor einiger Zeit erkannt und bieten heute entsprechende Lösungen an.

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Abbildung 1: Beispiel eines sensorgestützten Parkraummanagements, Quelle: ParkHere

Das Unternehmen Bosch geht einen anderen Weg. Es hat mit „Community-based Parking“ ein cloudbasiertes System für die automatisierte Parkplatzsuche entwickelt. Der Name ist dabei Programm: Die Community, die Gemeinschaft an Autofahrern , tauscht sich aus und gibt Parkplatzinformationen weiter. Technisch betrachtet tauschen sich die Fahrzeuge untereinander aus, wenn sie im Vorbeifahren freie Parklücken über Ultraschallsensoren ermittelt haben(Diese Sensoren sind in allen Neuwagen mit Assistenzsystemen vorhanden). Alle Parklücken-Informationen werden in die Cloud geladen, wo sie für die teilnehmenden Fahrzeuge zugänglich sind. Die Navigationssysteme zeigen die Parklücken an und bringen die Fahrer auf Wunsch dorthin.

Nochmals anders funktioniert das System „ParkNow“ von BMW und Daimler – dieses nutzt Mobilitätsdaten, die von den teilnehmenden Fahrzeugen ins Netz eingespeist werden. Ein Algorithmus berechnet dann auf der Basis des aktuellen Verkehrsaufkommens, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich in einem bestimmten Areal ein freier Parkplatz befindet.

Komfortabel parken – bargeldlos bezahlen

Zum komfortablen Parken mit Netz-Unterstützung gehört auch das elektronische Bezahlen. Beim Parken im öffentlichen Raum funktioniert das folgendermaßen: Nachdem der Autofahrer sein Auto abgestellt hat, startet er den Mietvorgang für seinen Stellplatz über eine App auf dem Smartphone. Daraufhin erhält der Server der Stadtverwaltung die Information, dass ein digitales Parkticket gelöst wurde. Diese Information wird auf den mobilen Geräten der Politessen angezeigt. Will der Autofahrer den Mietvorgang beenden, stoppt er ihn genauso, wie er ihn begonnen hat – nämlich mit dem Smartphone. Vorteil im Vergleich zum Bezahlen am Parkscheinautomaten: Nur die tatsächliche Parkdauer wird minutengenau abgerechnet. Beim Parken in Parkhäusern läuft das Starten und Stoppen des Mietvorgangs vollautomatisch ab: Ein RFID-Chip in der Schrankenanlage registriert Ankunft und Abfahrt des Fahrzeugs, sodass der Fahrer kein physisches Parkticket ziehen muss. Er kann aus dem Parkhaus ausfahren, ohne sich dem Bezahlvorgang widmen zu müssen – Die Abrechnung erfolgt sowohl beim Parken auf der Straße als auch beim Parken im Parkhaus zum Monatsende durch den App-Anbieter.

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Abbildung 2: Möglicher Ablauf des Digitalen Bezahlvorgangs bei ParkHere

 

Vorteile und Nachteile des IoT Parken

Im Vergleich zum herkömmlichen Parken hat das Parken mit IoT-Technik unbestreitbare Vorteile:

  • Zeitersparnis

In deutschen Städten suchen Autofahrer im Durchschnitt 10 Minuten nach einem Parkplatz1. Diese unnötige Suchzeit lässt sich durch Parken per App enorm verkürzen. Zudem entfällt beim elektronischen Bezahlen auch die Zeit, die normalerweise für das Aufsuchen von Kassenautomaten, für eventuelles Schlangestehen und für das Suchen nach Kleingeld aufgewendet werden muss.

  • Geldersparnis

Parken per App ist vergleichsweise günstiger billiger als Parken mit dem Parkschein. Dank der minutengenauen Abrechnung gibt es keine Überzahlung. Beim üblichen Bezahlvorgang in Parkhäusern verschwendeten Deutsche laut einer Studie im Jahr 2017 durchschnittlich 98 Euro aufgrund der Überzahlung von Parkzeiten. Zu dieser direkten Ersparnis addiert sich noch die indirekte Ersparnis, die sich durch die Vermeidung von unnötigen Suchfahrten mit entsprechendem Kraftstoffverbrauch ergibt.

  • Klima-/Umweltschonung

Es liegt auf der Hand, dass auch die Umwelt profitiert – schließlich wird bei kürzeren Parkplatzsuchfahrten weniger Feinstaub und weniger CO2 ausgestoßen.

Die Nachteile des smarten Parkens sind dagegen gering Man benötigt zu jeder Zeit ein (aufgeladenes) Smartphone und eine Netzverbindung. Letztere wird spätestens mit der Etablierung des neuen Mobilfunkstandards 5G immer gegeben sein, denn 5G hat im Vergleich zu 4G eine 100-mal höhere Verbindungsdichte. Bis 2025 verspricht die Deutsche Telekom in Deutschland eine 5G-POP-Abdeckung von 99 %. Für ersteres kann eine Powerbank in der Tasche Abhilfe schaffen.  

Fazit

Parken mit IoT-Unterstützung kann das innerstädtische Parken revolutionieren. Es kommt Autofahrern, Kommunen und Parkraumanbietern gleichermaßen entgegen: Autofahrer wollen wissen, wo freie Parkplätze sind, und sie wollen nur für die Zeit bezahlen, in der sie tatsächlich parken. Städte und Kommunen hingegen wollen wissen, wie der Parkraum ausgelastet ist, um den Verkehr entsprechend steuern zu können. Parkhausbetreiber wiederum wollen ihren Kunden guten Service bieten, um im Wettbewerb gut abzuschneiden. Sensorgestütztes Parken bedient all diese Wünsche. Bis es sich flächendeckend durchsetzt, wird aber noch Zeit vergehen. Selbst das sehr verbreitete „Park-and-Joy“-System der Telekom, das heute in über 100 Städten angeboten wird, ist bislang in erster Linie ein komfortables Bezahlsystem. Die Direktnavigation zu einem freien Stellplatz funktioniert bisher nur in Hamburg. Dennoch: Der Zug des IoT-Parkens gewinnt an Fahrt. Und immer mehr Städte und auch Unternehmen springen auf.

 

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Quellen:

https://parken-aktuell.de/news/parkplatz-suche-verschlingt-viel-zeit-und-geld/

https://web.de/magazine/ratgeber/finanzen-verbraucher/park-apps-parkschein-fuers-handy-33283984

https://www.parkandjoy.de/haeufige-fragen#welche-funktionen-bietet-die-app

Alle Quellen wurden am 05.12.2019 abgerufen