Parken mit Power: Warum Unternehmen jetzt auf Parkangebote mit E-Lademöglichkeit setzen sollten

Die Kfz-Elektrifizierung schreitet unaufhaltsam voran. Das muss sie auch, denn das europäische Ziel einer nachhaltigen Mobilität ist nur über mehr E-Autos zu erreichen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Ladeinfrastruktur: Sie war bislang der „Flaschenhals“, der die Elektromobilität einschnürte. Dank zahlreicher staatlicher Förderprogramme auf Bundes- und auf Landesebene weitet sich dieser Flaschenhals jetzt. Zudem hat der Markt für E-Mobilitätslösungen sich weiterentwickelt und wartet heute mit hocheffizienten Konzepten für Parkplatzanbieter auf.

Am 27. April 2016 stellte die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket zur Förderung der Elektromobilität vor. Eines der Ziele lautete: Im Jahr 2020 soll es in Deutschland eine Million elektrisch betrieben Autos geben. Dieses Ziel war etwas zu ambitioniert – Ende 2018 waren deutschlandweit gerade einmal 53.861 E-Autos zugelassen. Der Zuwachs ist seither aber enorm: 2019 stieg die Zahl der E-Autos um fast 55 %, 2020 sogar um 64 %. Heute gibt es in Deutschland mehr als 136.000 Elektrofahrzeuge. Nächstes anvisiertes Ziel: 7 Millionen E-Autos im Jahr 2030.

E-Auto-Etablierung und Ladeinfrastruktur: bremsende Wechselbeziehung

Ein wesentlicher Grund für das anfangs sehr langsame Voranschreiten der Elektromobilität war die sich ebenfalls nur sehr langsam entwickelnde Ladeinfrastruktur. Im Jahr 2018 etwa konnten E-Auto-Fahrer ihre Fahrzeuge deutschlandweit nur an rund 6.800 Stationen aufladen. Wegen dieser sehr kleinen Zahl erhielt Deutschland sogar eine offizielle Rüge der EU. Dabei fördert der Bund den Aufbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge seit Anfang 2017 mit 300 Millionen Euro. Das Problem ist jedoch die Wechselbeziehung zwischen Ladeinfrastrukturentwicklung und E-Auto-Etablierung: Ohne viele E-Autos auf den Straßen lohnt sich kein engmaschiges Ladestationsnetz. Andererseits kommt der Verkauf von E-Autos aber ohne ausreichend viele Ladestationen nicht in Gang. Die Regierung hat dieses Problem erkannt und eine Reihe von gesetzlichen Vorgaben und Förderprogrammen für den Ausbau von Lademöglichkeiten auf den Weg gebracht. Erst jüngst kam mit der Verabschiedung des Corona-Konjunkturpakets noch ein stattlicher Geldbetrag hinzu: 2,5 Milliarden Euro aus dem Paket sind für die Ladeinfrastruktur vorgesehen. Davon soll unter anderem ein einheitliches Bezahlsystem umgesetzt werden.

Abbildung 1: Die Ladeinfrastrukturdichte in Deutschland ist noch zu gering

Ladestationen am Arbeitsplatz im Fokus

Neben dem Laden zu Hause kommt dem Aufladen beim Arbeitgeber eine zentrale Bedeutung zu, da die Voraussetzungen für das Laden von Elektrofahrzeugen am Arbeitsplatz aufgrund der langen Verweildauer ideal sind. Der Verband der Automobilindustrie empfiehlt in seinem Positionspapier „Empfehlungen für einen erfolgreichen Hochlauf der Ladeinfrastruktur“ (2019) deshalb, Ladepunkte am Arbeitsplatz neben privaten Ladepunkten in den Fokus zu stellen: Spätestens ab Mitte 2020 müssen auf Arbeitnehmerparkplätzen Lademöglichkeiten in großer Zahl vorliegen, wenn der Markthochlauf der E-Mobilität gemäß den Zielen für 2030 gelingen soll. Für Unternehmen mit Firmenparkplätzen heißt das: Es ist jetzt höchste Zeit, sich mit der Schaffung oder mit dem Ausbau von Lademöglichkeiten auseinander zu setzen. Die Rahmenbedingungen dafür sind günstig:

Vorteilhafte Rahmenbedingungen für das Schaffen von Lademöglichkeiten

  • Förderung von Ladestationen auf Kunden- und Mitarbeiterparkplätzen

Am 29. April 2020 startete der fünfte Förderaufruf im Rahmen des Förderprogramms „Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge“. Anders als bei den früheren Aufrufen werden dieses Mal auch Ladeinfrastrukturen gefördert, die nicht komplett öffentlich sind. Das ist insbesondere für Unternehmen mit Kunden- oder Mitarbeiterparkplätze interessant: Wenn sie diese Parkplätze auch für die Öffentlichkeit zugänglich machen (werktäglich mindestens 12 Stunden), können sie bei der Einrichtung von Ladestationen Förderungen in Anspruch nehmen.

  • Gesetz zum Aufbau der Lade- und Leitungsinfrastruktur

Der Gesetzgeber hat jüngst ein „Gesetz zum Aufbau einer gebäudeintegrierten Lade- und Leitungsinfrastruktur für die Elektromobilität“ beschlossen – dieses soll das Laden von Elektrofahrzeugen zu Hause, am Arbeitsplatz und beim Einkaufen verbessern. Das Gesetz sieht vor, dass beim Neubau und bei der Renovierung von Gebäuden mit mehr als 10 Parkplätzen auch Ladepunkte einzurichten sind. Ab dem 1. Januar 2025 müssen zudem alle Gewerbegebäude mit mehr als 20 Stellplätzen mindestens einen Ladepunkt haben – auch Bestandsgebäude. Unternehmen, die sich jetzt schon um die Erfüllung dieser Vorgabe kümmern, geraten später nicht in Zugzwang.

  • Corona-Konjunkturpaket

Mit dem Inkrafttreten des 130 Milliarden Euro schweren Corona-Konjunkturpakets wird die Anschaffung von E-Autos nochmals attraktiver: Der staatliche Zuschuss steigt von 3.000 EUR auf 6.000 EUR. Unternehmen, die sich schon länger mit dem Gedanken tragen, ihre Firmenwagenflotte auf E-Fahrzeuge umzustellen, sollten diese Gelegenheit nutzen (und ihre Parkplatz-Infrastruktur entsprechend anpassen). Dafür spricht auch die geplante Deckelung der EEG-Umlage, die maximal auf 6 respektive 6,5 Cent pro Kilowattstunde – statt wie bisher prognostiziert auf über 8 ct/kWh – steigen soll.

Nicht zu unterschätzen: positive Image-Wirkung

Hinzu kommt, dass eine E-Auto-Ladeinfrastruktur für Unternehmen heute eine nicht zu unterschätzende Imagewirkung hat. In der öffentlichen Wahrnehmung spielt das Thema CSR (Corporate Social Responsibility), also die Sozialverantwortung, eine immer wichtiger werdende Rolle: Unternehmen, die sich als umweltbewusst präsentieren, steigen im Ansehen von Kunden und von Mitarbeitern. Der Fuhrpark bzw. das Mobilitätskonzept ist dabei ein Aushängeschild. Außerdem können Arbeitgeber, die Fahrern von E-Autos die Sorge um das Aufladen ihrer Fahrzeuge abnehmen, auch beim Anwerben von neuen Mitarbeitern punkten: Umfragen zufolge würden 59 % aller Arbeitnehmer, die über den Kauf eines Elektroautos nachdenken, sich eher für einen Arbeitgeber mit Lademöglichkeiten als für einen Arbeitgeber ohne Lademöglichkeiten entscheiden.

Abbildung 2: Parken und Laden ist eng miteinander verbunden

Parken und Laden leicht gemacht

Firmen und Institutionen, die auf Parkraumbewirtschaftung setzen, befürchten im Zusammenhang mit einem Ladetechnikangebot häufig einen hohen organisatorischen Aufwand: Immerhin muss nicht nur die Ladeinfrastruktur funktionieren, sondern die Fahrer von E-Fahrzeugen müssen auch Stellplätze mit Ladepunkten reservieren können. Selbst, wenn alles digital organisiert ist, sind das Buchen des Stellplatzes und das Steuern des Ladevorgangs dann zwei verschiedene Prozesse. Bis vor einiger Zeit waren dafür auch zwei verschiedene Frontenden bzw. zwei verschiedene Apps nötig – heute aber nicht mehr. Das Startup ParkHere bietet Parkraumanbietern in Kooperation mit namhaften Charging-Partnern eine ganzheitliche Lösung an. Diese ermöglicht es den Parkkunden, über eine einzige App einerseits Stellplätze zu reservieren und zu bezahlen und andererseits Ladestrom zu beziehen und zu bezahlen. Grundlage dafür ist das digitale Parkplatzmanagementsystem von ParkHere. Die Steuerung von Ladestationen lässt sich als modulare Komponente einfach in das System integrieren. Intelligente Ladetechnologie erlaubt es dabei, die Ladevorgänge kilowattstundengenau mit Mitarbeitern – oder mit Gästen – abzurechnen. Die mit Ladepunkten versehenen Stellplätze können sogar zeitweise der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, sodass sich mit diesem Service Geld verdienen lässt.

Fazit

Die Elektromobilität ist stärker auf dem Vormarsch denn je. Wenngleich das erste Etappenziel – eine Million Elektroautos bis 2020 – verfehlt wurde, so scheint das Erreichen des 7-Millionen-Ziels für 2030 doch realistisch, nicht zuletzt aufgrund der massiven staatlichen Förderung. Da der Aufbau der Ladeinfrastruktur eine wesentliche Voraussetzung für den Markthochlauf von Elektrofahrzeugen ist, fördert die Regierung diese ebenfalls in hohem Maße. Es ist davon auszugehen, dass sie den Aufbau auch mit neuen Gesetzen forcieren wird, die das Vorhalten von Lademöglichkeiten für Parkraumanbieter zur Pflicht machen. Das bereits beschlossene Gesetz zum Aufbau der Lade- und Leitungsinfrastruktur ist ein erstes Beispiel. Unternehmen mit eigenem Parkraum haben jetzt also in dreierlei Hinsicht Grund, sich mit dem Thema Parken und Laden zu befassen: Erstens, weil es derzeit eine Fülle von Förderprogrammen sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene gibt. (Das Land Baden-Württemberg fördert zum Beispiel im Rahmen des Strategiedialogs Automobilwirtschaft sechs Pilotprojekte zur Anbindung von Parkhäusern und Tiefgaragen mit 2,1 Millionen Euro.) Zweitens, weil ein nachhaltiges Mobilitätskonzept sich positiv auf die Mitarbeiterzufriedenheit und auf das Unternehmensimage auswirkt. Und drittens, weil es mit großer Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft diesbezüglich ohnehin rechtliche Vorschriften geben wird. Dass intelligente Parkraumbewirtschaftung und das Vorhalten von Lademöglichkeiten sich heute sehr gut in Einklang bringen lassen, ist da nur noch das Tüpfelchen auf dem „i“.

Quellen: 

statista.com (2020): Anzahl der Elektroautos in Deutschland (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/265995/umfrage/anzahl-der-elektroautos-in-deutschland/)

 firmenauto.de (2020): Ladestationen in Deutschland – es geht aufwärts (https://www.firmenauto.de/anzahl-der-ladestationen-in-deutschland-es-geht-aufwaerts-11154824.html)

 logistra.de (2018): Deutschland erhält Rüge von der EU (https://logistra.de/news/nfz-fuhrpark-lagerlogistik-intralogistik-ladeinfrastruktur-deutschland-erhaelt-ruege-von-der-eu-14085.html)

 vda.de (2019): Positionspapier Ladeinfrastruktur (https://www.vda.de/de/services/Publikationen/positionspapier-ladeinfrastruktur.html)

 bmvi.de (2020): Ladeinfrastruktur (https://www.bmvi.de/DE/Themen/Mobilitaet/Elektromobilitaet/Ladeinfrastruktur/Ladeinfrastruktur.html)

 bundesregierung.de (2020): Ausbau Ladeinfrastruktur (https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/ausbau-ladeinfrastruktur-1722304)

 vision-mobility.de (2020): Corona-Konjunkturpaket (https://vision-mobility.de/news/corona-krise-mehr-geld-fuer-e-autos-ladeinfrastruktur-und-wasserstoff-48972.html)

alle Quellen zuletzt abgerufen am 23.06.2020