Mann auf dem überfüllten Unternehmensparkplatz.

Der Status quo des Parkens am Arbeitsplatz bedeutet für die meisten: Belegte Parkplätze, eine lange Stellplatzsuche und Warteschlangen an Ein – und Ausfahrt. Um das Problem anzugehen, können Unternehmen mittlerweile auf hilfreiche Technologien zurückgreifen. Dieser Artikel verrät Ihnen, wie diese smarten Parkhaus Lösungen aussehen können.

 

Als Unternehmen kann man die Tücken des Parkens leicht unterschätzen, wie sich am Beispiel des Caravaning-Konzerns Erwin Hymer Group zeigt. Wer Wohnmobile und Wohnwagen verkauft, ist besonders sensibilisiert für die Bedürfnisse von autofahrenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Der CEO Martin Brandt erinnert: „Als ich meine erste Rundreise durch die Standorte machte und ich die Mitarbeiter nach deren wichtigsten Problemen fragte, kam zu meinem Erstaunen an fast allen Standorten das Thema Parkplätze.“

 

Zu wenig Parkplätze, zu langes Suchen, zu viel Fahrerei – was die Erwin Hymer Group zum Handeln veranlasste, gibt es in vielen Unternehmen, die Parkräume verwalten. Brandts Unternehmen hat dafür gesorgt, dass die Firmenparkplätze optimal ausgelastet sind, damit die Belegschaft weniger gestresst am Arbeitsplatz ankommt. Unternehmensweit betrachtet könnten individuelle Parkplatzprobleme schließlich das Betriebsklima belasten und die Produktivität verschlechtern. 

Das Parkhaus, wie wir es kennen

Parken in Parkhäusern gehört in Deutschland zum Alltag, wie eine Umfrage des ADAC 2013 bestätigte: Jeder dritte Fahrer fuhr mindestens einmal pro Monat in ein Parkhaus, jeder fünfte mindestens einmal pro Woche. Die meisten haben dabei schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht, nicht nur bezogen auf die Preise: Umständliche Kassenautomaten und Schrankensysteme mit Papiertickets können Zeit und Nerven kosten. Vor allem kann das Parkplatzsuchen wiederholtes Kreisen durch die Etagen bedeuten – oder man fährt ganz ohne Parkplatz, dafür aber mit schlechterer Laune wieder raus.

Was für private Fahrten zum Einkaufen gilt, sieht für Fahrten zum Arbeitsplatz nicht anders aus – hat aber noch mehr Implikationen für die Unternehmen. Keine Firma will, dass eingeplante Arbeitszeit mit der Parkplatzsuche verschwendet wird und Teile der Belegschaft genervt in ihren Arbeitstag starten. Auch Zulieferer und Partner sollen eine stressfreie Parkmöglichkeit finden, wenn sie auf das Firmengelände kommen, was in vielen Regionen nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln funktioniert. Auf der anderen Seite kostet das Anmieten der Parkflächen viel Geld, leerstehende Parkplätze belasten unnötig die Bilanz.

frustrated parking

Abbildung 1: So sieht der Parkalltag im Unternehmen für viele Mitarbeiter aus – Frust und Zeitverlust beim Parken.

Das ideale Ziel wäre ein positives Parkerlebnis für alle Beteiligten bei gleichzeitig optimaler Auslastung mit Blick auf die Kosten. Um das zumindest ansatzweise zu erreichen, können Unternehmen mittlerweile auf einige hilfreiche Technologien zurückgreifen. Denn, das ist die gute Nachricht: Das gute alte Parkhaus lässt sich heutzutage fast immer zum neuen smarten Parkhaus aufrüsten, zumal viele Bauten einen modularen Aufbau haben.

Neue Technologien und spezialisierte Anbieter machen Parkraum-Innovationen heute relativ einfach. Besonders gilt das für die Parkhäuser und Tiefgaragen, die für größere Unternehmen zur zentralen Infrastruktur gehören: Der Studie Parken 2020 – Szenarien für die Entwicklung des Parkraummarktes in Deutschland zufolge verwaltete allein der Betreiber Apcoa 2012 über doppelt so viele Parkhaus-Parkplätze, wie noch Ende der 60er Jahre bundesweit zur Verfügung standen.

Das Parkhaus, wie es sein könnte

Bundesweit sind noch eher wenig Firmengaragen und Unternehmensparkhäuser mit moderner Technologie ausgestattet. Aber mit der Digitalisierung und dem wachsenden Bewusstsein für die neuen Möglichkeiten in fast allen Lebens- und Arbeitsbereichen steigt das Interesse an intelligentem Parkraum-Management. International sind schon diverse Geräte und Services erfolgreich im Einsatz. Wohin die Reise geht, könnte zum Beispiel ein Blick auf die Lösungsansätze chinesischer Metropolen zeigen. Interessante Innovationen für deutsche Firmen und Parkraumbetreiber sind aktuell:

Bezahlen per App

Sowohl für den Stadtraum als auch für Parkhäuser gibt es schon mehrere Apps, mit denen man bargeldlos für das Parken bezahlen kann. Die Belege einiger Anbieter werden von Kontrolleuren und Ordnungsamt akzeptiert. Das PACE Magazin hat im April 2019 die wichtigsten Angebote getestet. 

Zugangsberechtigung

Zugangsberechtigungen können verhindern, dass andere Autofahrer die Firmenparkplätze blockieren. Je nach Parkraum und Firmenlage sind individuelle Reservierungsbügel möglicherweise angemessener als zentrale Zugangsschranken mit Transpondern zum Öffnen.

Anzeigetafeln

Mit LCD-Displays oder ähnlichen Anzeigetafeln können „Fremdparker“ darauf aufmerksam werden, dass ein bestimmter Parkplatz reserviert ist. Mitarbeiter oder regelmäßige Zulieferer wiederum kann man auf diesem Wege individuell begrüßen.

Bodensensorik

Parkplätze können dauerhaft mit Bodensensoren versehen werden, die zum Beispiel eingefräst oder aufgeklebt werden. Die Sensoren erzeugen Signale, die ausgelesen werden können und darüber informieren, ob ein Parkplatz belegt oder frei ist. Die Systeme funktionieren bei jeder Witterung. 

Ladestationen

Ladestationen für Elektroautos dürften in Zeiten von Elektromobilität und Verkehrswende flächendeckend zunehmen. Damit sie optimal genutzt werden, empfiehlt der ADAC klare Beschilderungen und Bodenmarkierungen.

Reservierungssysteme

Wer Parkplätze via Reservierungssystem zuweist, reduziert die Suchzeit für Parkplätze, die deutschlandweit eine Millionendimension hat, wie der Verband der Automobilindustrie in seinen Publikationen mehrfach vorgerechnet hat. Zudem können die Parkplätze so dynamisch, also nach Bedarf, vergeben werden. 

QR-/RFID- und Transponderleser

Einige Flughäfen regeln die Zufahrt in ihre Parkhäuser bereits über QR-Codes, die die Scanner von den Handys der Fahrer auslesen. Einen Schritt weiter geht die Kennzeichenerkennung, die das in der App hinterlegte Kennzeichen an der Zu- und Abfahrt anstelle eines QR-Codes ausliest. Eine weiter Alternative zum klassischen Ticketziehen an der Schranke sind Etiketten mit RFID-Chips auf der Windschutzscheibe. Auch sie fungieren als digitale Schlüssel.

ParkHere QR Code Scan mit dem Smartphone am Terminal im Parkhaus

Abbildung 2: So kann die Einfahrt in das Unternehmensparkhaus zukünftig aussehen: Die ParkHere-Lösung gewährt Mitarbeitern die Einfahrt über den QR-Code-Scan mit dem Smartphone.

Automatische Kennzeichenerkennung

Smarte Parktechnologie wie das von der ParkHere GmbH entwickelte Terminal erkennt automatisch die Autokennzeichen. Sie können bestehende Schrankensysteme in Parkhäusern ergänzen oder ersetzen, sodass die Belegschaft zügiger ein- und ausfahren kann.

Veränderung lohnt sich

Auf  innovative Lösungen zurückzugreifen, dürfte sich für die meisten Geschäftsführungen langfristig lohnen. Intelligente Parkleitsysteme und Steuerungstools optimieren die Auslastung. Mit ihnen sinkt das Risiko, für nicht genutzte Parkplätze zu zahlen. Außerdem könnten Plätze, die durch die Personalsituation für einen definierbaren Zeitraum frei bleiben, an Dritte weitervermietet werden, was zusätzliche Einnahmen generiert. Wer auch für die Abrechnung der parkplatzbezogenen Kosten mit smarten Lösungen arbeitet, kann zusätzlich Zeit und Personalkosten sparen.

Abgesehen von den finanziellen Vorteilen spielt das Parken auch für das Image und die Mitarbeiterzufriedenheit eine Rolle. Effiziente Parkraumbewirtschaftung ist für die Umwelt nachhaltiger. In Zeiten von Identifikationsfiguren wie Umweltaktivistin Greta Thunberg könnte dies durchaus Effekte auf die Außenwirkung haben. Wenn sich Parkplatz-Angebot und -Nachfrage besser matchen lassen, dürfte das die Mitarbeiterzufriedenheit oft erhöhen, wie das Beispiel der Erwin Hymer Group zeigt.

Die Belegschaft profitiert

Stressfreies Parken macht Unternehmen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiver. Sie haben seltener das Gefühl Zeit zu vergeuden. Sie kommen entspannter am Arbeitsplatz an. An Beispielen wie Hymer zeigt sich auch, dass Mitarbeiter eher gewillt sein könnten, einen individuellen Anteil für das Parken zu bezahlen, wenn Stellflächen effizient gemanagt werden und viele Mitarbeiter an ihnen teilhaben können. Das Parken kann außerdem im Wettbewerb um neue Talente ein Kriterium sein, dass Konkurrenten unterschätzen.

Weitere Faktoren, die in der Arbeitswelt an Bedeutung gewonnen haben, sind Chancengleichheit und Fairness. Bezogen auf die Parkplätze stehen viele Unternehmen vor einem Dilemma: Oft reicht es nicht, einen zentralen Parkplatz, eine Parkhaus-Etage oder Ähnliches für alle anzubieten, weil die Nachfrage dauerhaft zu groß ist. Wenn aber Plätze zugewiesen werden, kann es zu Diskussionen über Privilegien und vermeintlich unfaire Wartelisten kommen: Wer hat Vorrang: die Chefs? Die Pendler mit der längsten Anfahrt? Die Dienstältesten? In einer Klinik im Raum Tübingen kam es zu der Situation, dass einige Wartelistenplatz-Inhaber ein Jahrzehnt auf einen Parkplatz hätten warten sollen- und das ist keine Seltenheit. 

Mittlerweile sind smarte Buchungs- und Reservierungssysteme auf dem Markt, die mit Echtzeitdaten arbeiten. Das erleichtert nicht nur das Finden von Parkplätzen für den Einzelnen, sondern auch das Zuteilen und Managen des verfügbaren Parkraums aus der Vogelperspektive für die Unternehmen.

Fazit: Digitalisierung macht Parkplatzmanagement einfach 

Die bereits existierenden Lösungen und Beispiele haben gezeigt, dass die Digitalisierung sich gut dafür nutzen lässt, das Parkplatzmanagement für Unternehmen zu optimieren. Dabei lohnt sich eine effiziente Auslastung der Parkräume für beide Seiten: Die Firmen werden gegenüber dem Wettbewerb attraktiver, wenn sie der Belegschaft effizientes und faires Parken insbesondere in Parkhäusern ermöglichen. Außerdem können sie ihre Produktivität steigern und langfristig einige Kosten senken. Die Mitarbeiter sparen Zeit und Nerven und haben faire Chancen auf einen Stellplatz, was langfristig das Betriebsklima und die Außenwirkung des Unternehmens positiv beeinflussen kann. Zur Verfügung stehen bereits diverse Software-Lösungen in Kombination mit Sensorik, Authentifizierungs-Terminals und Ladestationen, die die individuellen Bedürfnisse verschiedener Firmen bedienen können. Smartes Parkraummanagement scheint daher so einfach und lohnenswert wie noch nie – und immer mehr Unternehmen machen es sich zu Nutze. 

 

ihre-parksituation

Quellen: 

https://www.pace.car/de/magazin/technik/mobiles-bezahlen-beim-parken 

https://www.morgenpost.de/bezirke/marzahn-hellersdorf/article216323405/Der-Kampf-um-die-Parkplaetze-in-Hellersdorf.html

https://www.scmp.com/news/china/society/article/3011170/apps-helping-shanghai-tackle-its-chronic-car-park-shortage 

https://www.quantum.ag/fileadmin/Dateien/Publikationen_Archiv/QuantumFokus_2-2012.pdf

https://www.adac.de/_mmm/pdf/fi_benutzerreundliche_parkhauser_0114_238764.pdf

https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/info/parken-elektro-ladesauele/ 

https://www.vda.de/de/services/Publikationen/fat-schriftenreihe-271-parkpl-tze-in-st-dten.html

https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Lange-Warteliste-fuer-Tiefgarage-Betriebsrat-Parkhaus-ist-noetig-36215.html

https://park-here.eu/

alle Quellen wurden am 20.01.20 abgerufen.