electric car in the chity charging

Was genau elektrische Mobilität bedeutet und vor welche Herausforderungen und Veränderungen uns dieser Trend in der Zukunft stellt, sind Fragen die Unternehmen, Bürger und Politik beschäftigen. Dieser Artikel gibt einen Ausblick wie uns die Elektromobilität in 2020 bewegen wird.

 

Was ist Elektromobilität oder “E-Mobility” eigentlich? Die Definition ist ganz einfach: Elektromobilität bzw. E-Mobility bezeichnet Fahrzeuge oder Fortbewegungsmittel, die entweder ganz oder zumindest teilweise auf einen elektrischen Antrieb setzen. Dabei ist es eine altbekannte Technologie, auf die der Trend setzt: Das erste bekannte deutsche Elektroauto war der sogenannte „Flocken Elektrowagen“, gefertigt vom Unternehmen A. Flocken in Coburg im Jahr 1888. Flächendeckend durchsetzen konnte sich Elektromobilität zunächst jedoch nur im schienengebundenen Bahnverkehr: Straßenbahnen mit dazugehörigen Oberleitungen gehören schon lange zum Stadtbild vieler Metropolen. Neu ist der seit einigen Jahren zu beobachtende Megatrend hin zu elektrisch angetriebenen Fahrrädern, Autos, Nutzfahrzeugen und Rollern. Die Prognosen vieler Fachleute sehen individuelle Mobilität zukünftig weniger abhängig vom eigenen Fahrzeug; vielmehr werden sich vor allem im städtischen Raum neue, miteinander kombinierbare Mobilitätskonzepte durchsetzen, um den Bedarf zu decken: Hybrid- oder Elektrobusse, Bahn, Carsharing und Pedelecs. 

Die Mobilität der Zukunft ist elektrisch

Die Bandbreite der e-Mobilität reicht von vollelektrischen Fahrzeugen bis zu sogenannten Hybriden, deren Antrieb teilweise elektrisch funktioniert. Eines haben all diese Lösungen gemeinsam: Sie sind im Fahrbetrieb effizient, leise und stoßen keine bzw. erheblich weniger Schadstoffe und CO2 (Kohlenstoffdioxid) aus als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennermotoren. Laut Emob-Gesetz zählen zu e-Fahrzeugen alle Fahrzeuge mit einem maximalen CO2-Ausstoß von 50 g pro Kilometer bzw. mit einer Mindestreichweite von 30 km im reinen Elektrobetrieb. In Zeiten der globalen Klimadiskussion und steigenden Umweltbewusstseins hat sich die Elektromobilität zu einem Megatrend entwickelt. So heißt es im erst 2019 verabschiedeten Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung: „Die 2020er Jahre werden das Jahrzehnt zur konsequenten Umsetzung der Energie-und Mobilitätswende.“ Die forcierte Umsetzung von Elektromobilität wird in diesem Zusammenhang eine tragende Rolle spielen.

Elektromobilität als Herausforderung für alle

Die anvisierten Ziele im Rahmen der Energie- und Mobilitätswende bedeuten für alle Beteiligten eine große Herausforderung: Automobilindustrie, Zulieferer, Energiewirtschaft, Nutzer – auf allen Seiten wird neu gedacht. Das Thema Elektromobilität bringt neben den erwähnten Vorteilen auch Anstrengungen und Änderungen mit sich:

  • Die Automobilindustrie und die Zulieferer stellen ihre bisherigen Produktions- und Lieferprozesse um.
  • Die Produktion leistungsfähiger Batterien mit höherer Reichweite wird zu einem der wichtigsten Erfolgsfaktoren.
  • Der Stromverbrauch wird mit steigender Elektromobilität enorm ansteigen.
  • Bund, Städte und Kommunen müssen ihre Infrastruktur anpassen: leistungsfähige, landesweit lückenlose Lademöglichkeiten für elektrisch betriebene Fahrzeuge sind die wichtigste Herausforderung für die Umsetzung der anvisierten Ziele und für die Akzeptanz der Technologie bei den Nutzern.
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Abbildung 1: Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer arbeitet mit Hochdruck an der Entwicklung von Batterien mit hoher Reichweite

Folgen der Mobilitätswende – Was sich durch Elektromobilität verändert

Die Voraussetzungen der Elektromobilität sind gut: Bund und Regierung verfolgen das Ziel Emissionen reduzieren, während Konsumenten eher bereit sind, umweltfreundliche Antriebsarten zu wählen. 

Schaffung einer Ladeinfrastruktur als Notwendigkeit 

Wenn sich Elektromobilität auf breiter Ebene als die neue Art der Mobilität durchsetzen soll, spielt eine Grundvoraussetzung die wichtigste Rolle: Das Schaffen einer flächendeckenden, bedarfsgerechten Ladeinfrastruktur. Elektromobilität wird unsere Wohnräume verändern. Die Entwicklungen sind vielerorts mit dem Entstehen von Ladesäulen und speziellen Parkplätze bereits deutlich sichtbar. Das schnelle, effiziente Laden der Batterie wird sich zu einem Alleinstellungsmerkmal entwickeln und eine wichtige Rolle an Orten spielen, die im Zentrum der globalen und regionalen Mobilität stehen: an Flughäfen und Bahnhöfen genauso wie in Einkaufszentren, Eigenheimen und am Arbeitsplatz. 

Dieser Anspruch ruht mittlerweile auf handfesten, rechtlich verankerten Säulen: Bereits am 18.05.2016 beschloss das Bundeskabinett ein Marktanreizprogramm zur Förderung der Elektromobilität. Ein wichtiger Punkt dieses Programms ist die Förderung des Aufbaus einer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Vor diesem Hintergrund wird seit Jahresbeginn 2017 der Aufbau einer öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur mithilfe einer anteiligen Finanzierung der Investitionskosten unterstützt. Ziel dieses Programms ist der Aufbau von mindestens 15.000 Stationen zum Schnell- und Standardladen, die Bundesregierung investiert dafür bis Ende 2020 über 300 Millionen Euro in die Förderung privater Investoren als auch in die Unterstützung der Städte und Gemeinden.

Neue Geschäftsfelder strömen in den Markt

Man muss kein Hellseher sein, um das begleitende Businesspotential zu erkennen, das für viele Unternehmen in der Elektromobilität steckt: Neue Geschäftsfelder entstehen in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen rund um die Ladeinfrastruktur für die Hersteller von Ladesäulen, Ladekarten, Ladeboxen, All-In-One-Solutions und vieles mehr. So sieht das deutsche Unternehmen Bosch als einer der größten globalen Automobilzulieferer die Zukunft der Mobilität „automatisiert, vernetzt und elektrifiziert“. Viele Unternehmen in der Automobilindustrie nehmen diese technologische Herausforderung an und wandeln sich zu Anbietern von Mobilitätslösungen rund um die Elektromobilität. Auf der Agenda von Bosch steht dabei unter anderem die landesweite Vernetzung von Ladestationen verschiedenster Anbieter. Auf diese Weise genügt eine Kundenkarte, um überall sein Elektrofahrzeug aufladen zu können. 

Laut einer Studie des Consultingunternehmens Deloitte profitieren insbesondere drei Unternehmensgruppen von einer Ergänzung oder Erweiterung des bisherigen Geschäftsmodells: 

  • Energieversorgungsunternehmen und Infrastrukturbetreiber, wie Stadtwerke und Netzbetreiber
  • Mobilitätsunternehmen wie Automobilhersteller und -zulieferer, Flottenmanager und Verkehrsbetriebe
  • Konsum-, Service- und Real Estate Industrie wie Einkaufszentren, Parkhäuser, Supermärkte, Hotels und Gastronomie

Neben der klassischen Bereitstellung der Ladeinfrastruktur und dem Verkauf von Strom sind somit auch weitergehende Leistungen wie das Bereitstellen von Elektro-Mietwagen bspw. von Sixt, auch zusätzliche Value-Added Services und Cross-Selling-/Marketing-Bundle-Angebote denkbar. Über den zukünftigen Erfolg dieser Geschäftsfelder bestimmt dabei maßgeblich der tatsächliche wirtschaftliche Erfolg der Elektromobilität.  

Vernetzung, Parken und Laden als neue Kernkompentenz

Das Thema Sharing und vernetzte Mobilität wird ebenfalls für neue Geschäftsmodelle sorgen und die Art, wie wir uns fortbewegen, als Kernkompetenz grundlegend verändern. Car Sharing und Mitfahrservices wie MOIA sowie auf Vernetzung basierende Service-Angebote sind hier nur einige Punkte, die in den allgemeinen Fokus rücken. Das Geschäftspotenzial ist in diesem Bereich nach Angaben der Unternehmensberatung PWC enorm: Bis 2025 werden sich mehr als 470 Millionen vernetzte Fahrzeuge global bewegen, bis zum Jahresende 2022 soll das Marktvolumen für Mobilitätsdienste und digitale Services bereits rund 140 Milliarden Euro betragen.

Auch das Lade- und Parkverhalten der Nutzer wird sich im Vergleich zum bekannten Tanken erheblich ändern – denn das Parken selbst wird zur effizienten Ladezeit, die mit in den Tagesablauf einkalkuliert wird. Geladen wird sowohl auswärts als auch zuhause, unterschiedliche Ladekosten lassen eine neue Konkurrenzsituation für die Anbieter entstehen. Besonders für öffentliche Parkflächen und Firmenparkplätze spielt die vorhandene Ladeinfrastruktur eine immer wichtigere Rolle: Geparkt wird zukünftig immer häufiger dort, wo auch geladen werden kann, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum. Unternehmen wie ParkHere und Inno2grid beschäftigen sich mit genau diesen Herausforderungen und entwickeln innovative Lösungen für eine effiziente Parkraumbewirtschaftung mit digitalen Buchungslösungen

Grüne Elektromobilität in Deutschland

Abbildung 2: Das grüne Stadtbild der Zukunft – Elektrofahrzeuge beim Aufladen in der Stadt

Parken & Laden – die Symbiose der (elektro-)mobilen Zukunft

Als Fazit kann festgehalten werden: Die schnell wachsende Elektromobilität wird für Veränderungen in vielen Bereichen sorgen. Neben neuen Geschäftsfeldern und einem veränderten Stadtbild wird sie nicht nur unser Fahrverhalten, sondern auch die allgemeine Parkraumbewirtschaftung verändern. Die Symbiose aus Parken und Laden wird in naher Zukunft eine wichtige Rolle einnehmen, die einen reibungslosen Verkehrsfluss und die Zufriedenheit der Nutzer, Besucher und Mitarbeiter entscheidend beeinflussen kann. Denn „einen Parkplatz suchen“ bedeutet für immer mehr Personen „eine Parkfläche mit integrierter Ladestation suchen.“ Auf diese Weise entwickelt sich die Verfügbarkeit kombinierter Park- und Ladeflächen sukzessive zum USP für Arbeitgeber, Städte und Kommunen.

 

ihre-parksituation

Quellen: 

https://de.statista.com/statistik/studie/id/66912/dokument/bundle-reporte-zur-elektromobilitaet/

https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/de/Documents/risk/Risk-Deloitte-Ladeinfrastruktur.pdf

https://www.bmvi.de/DE/Themen/Mobilitaet/Infrastrukturplanung-Investitionen/Bundesverkehrswegeplan-2030/bundesverkehrswegeplan-2030.html

https://www.bosch-presse.de/pressportal/de/de/neue-geschaeftsfelder-im-zeitalter-der-elektromobilitaet-145730.html

https://www.pwc.de/de/human-resources/pwc-study-people-management-2025.pdf

alle Quellen wurden am 16.01.20 abgerufen.