Die Auswirkungen von COVID-19 auf zukünftige Mobilitätslösungen

Die Coronavirus-Pandemie wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Dies gilt auch für die Mobilität. Aufgrund von COVID-19 ist unsere Gesellschaft grundsätzlich weniger mobil geworden, doch auch die Nutzung der unterschiedlichen Verkehrsmittel hat sich verändert. Prof. Barbara Lenz, Direktorin des DLR-Instituts für Verkehrsforschung, erklärt: „Es ist eindeutig, dass die Corona-Pandemie unser Mobilitätsverhalten grundlegend verändert. Insbesondere die öffentlichen Verkehrsmittel müssen eine Durststrecke überbrücken und brauchen Unterstützung. Vieles weist darauf hin, dass Auto und auch Fahrrad als Gewinner aus der Krise hervorgehen werden“

Öffentlicher Personennahverkehr: Fahrgastzahlen gehen zurück

Im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs zeigen sich die Auswirkungen der Coronakrise besonders deutlich, insbesondere in der Phase des Lockdowns, als der Großteil des Einzelhandels und die gesamte Gastronomie geschlossen waren und viele Arbeitnehmer im Home Office arbeiteten. In diesem Zeitraum verringerte sich der Wert der täglich mit Bus und Bahn zurückgelegten Kilometer um über 75 Prozent. Zum Teil ist das auf die generell zurückgegangene Mobilität zurückzuführen: Zwar ist die Mobilität nicht gänzlich zum Stillstand gekommen, jedoch haben sich insgesamt die täglich zurückgelegten Kilometer drastisch reduziert: Üblich sind etwa 40 Kilometer pro Person und Tag. In der letzten März- und ersten Aprilwoche dieses Jahres waren die Menschen lediglich etwa 15 Kilometer pro Tag unterwegs, das entspricht einem Rückgang von zwei Dritteln.

Hinzu kommt, dass insbesondere die öffentlichen Verkehrsmittel zum Höhepunkt der Pandemie von vielen Menschen gemieden wurden. Sie stiegen um auf Alternativen wie Auto, Fahrrad oder zu Fuß gehen.

Neue Hygienevorschriften in öffentlichen Verkehrsmitteln

Eine große Herausforderung für die Verkehrsbetriebe stellt das Thema Hygiene in den Verkehrsmitteln dar. Innerhalb kurzer Zeit mussten sie neue Hygienevorschriften umsetzen, beispielsweise die Maskenpflicht. Gleichzeitig ist es das Thema Hygiene, das vor allem während des Lockdowns viele Menschen vor der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zurückschrecken ließ. Schließlich befindet man sich in Bus, U-Bahn & Co. auf engem Raum mit vielen fremden Personen. Die Busse und Bahnen werden in den meisten Städten häufiger gereinigt als zuvor, jedoch verzichtet man auf eine Desinfektion. Auch wenn dies Experten zufolge kein erhöhtes Infektionsrisiko bedeutet, wirkte es auf viele Fahrgäste abschreckend, sodass sie es vorzogen, auf andere Verkehrsmittel, insbesondere der individuellen Mobilität, umzusteigen.

Abbildung 1: Social Distancing ist inzwischen ein Teil des Alltags

Auch innovative Mobilität wie Carpooling und Mikromobilität müssen zurückstecken

Doch nicht nur der öffentliche Nahverkehr sieht sich mit einem stark gesunkenen Fahrgastaufkommen konfrontiert. Gleiches gilt für viele innovative Mobilitätsdienstleister. Die Anbieter im Bereich Carpooling verzeichnen Rückgänge von 60 – 70%, und viele Mikromobilitäts-Angebote, wie beispielsweise E-Scooter, wurden für mehrere Wochen komplett eingestellt – weil die Nachfrage zu gering war.

Aktuell bessert sich die Lage wieder etwas: Mehr und mehr E-Scooter-Firmen bieten ihre Roller wieder in den Städten an, und auch im Carsharing steigt die Nachfrage wieder. Allerdings bleiben die Zahlen weiterhin hinter den Erwartungen, die vor der Coronakrise herrschten, zurück.

Mobilität mit geringem Infektionsrisiko

Auch mit der zunehmenden Öffnung nach dem Lockdown ist im Bereich Mobilität ein neuer entscheidender Faktor für die Wahl des Verkehrsmittels hinzugekommen: Die Hygiene bzw. das Infektionsrisiko. Öffentliche Verkehrsmittel haben es aktuell deshalb so schwer, weil sich in ihnen viele Leute in einem geschlossenen Raum aufhalten. Der private Pkw bietet hier eine ganz andere Sicherheit. Und auch das Fahrrad gehört zu den Profiteuren der aktuellen Situation, denn es bietet Individualmobilität an der frischen Luft und damit ausreichend Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern.

Bremst die Krise Innovationen aus?

Insbesondere kurz- bis mittelfristig ist damit zu rechnen, dass die COVID-19-Pandemie Innovationen auch in der Mobilität ausbremsen wird. Die wirtschaftliche Krise, die mit der Pandemie einhergeht, sorgt dafür, dass in zahlreichen Unternehmen die Innovationsfinanzierungen zurückgefahren werden. Der Carsharing-Anbieter ShareNow beispielsweise hat einen Teil seiner Flotte im Zuge der Coronakrise vom Markt genommen. Doch auch in anderen Segmenten wie dem autonomen Fahren kann die gegenwärtige Krise dazu führen, dass weniger in Innovationen investiert wird und sich Unternehmen stattdessen verstärkt auf das Kerngeschäft konzentrieren.

Langfristige Innovationen im Sinne des Social Distancing

Langfristig kann diese Krise jedoch auch als Chance wahrgenommen werden. Gunnar Froh, Gründer von Wunder Mobility, betont in einem Interview mit der Wirtschaftswoche: “Die Zeit ist perfekt, um die Mobilität dauerhaft zu verändern.” Wem es als Unternehmen nun gelingt, sich erfolgreich auf dem Markt zu positionieren, der kann tonangebend bei der Mobilität der Zukunft sein. Denn gerade die innovativen Lösungen können langfristig zu einer sicheren und gesunden Mobilität beitragen, etwa indem Mikromobilität die Fahrt mit dem öffentlichen Personennahverkehr ersetzt. Es ist damit zu rechnen, dass diejenigen, die einen privaten Pkw besitzen, diesen weiterhin verstärkt nutzen werden, doch es gibt – insbesondere im urbanen Raum – eine große Gruppe an Menschen, die dem ÖPNV nun skeptisch gegenüberstehen, sich aber nicht gleich ein eigenes Auto, E-Bike oder Fahrrad kaufen möchten. Sharing-Anbieter, denen es gelingt, diese Lücke zu füllen, können auf lange Sicht von der veränderten Mobilität nach COVID-19 profitieren.

Wie wird es nach der Krise weitergehen?

In Deutschland nähern wir uns immer mehr wieder der Normalität an: Die meisten Firmen haben den Übergang von Home Office zurück ins Büro eingeleitet, viele Bundesländer öffnen – zumindest teilweise – die Schulen wieder. Die Mobilität der Menschen wird also wieder ansteigen. Auf welche Verkehrsmittel sie dabei langfristig setzen werden, ist aktuell schwer vorherzusagen. Experten gehen nicht davon aus, dass die Coronakrise eine völlig veränderte Mobilität hinterlassen wird. Der Anstieg des motorisierten Individualverkehrs dürfte sich noch eine Weile halten. Die Skepsis gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln hingegen wird voraussichtlich wieder zurückgehen, insbesondere wenn sich Hygienemaßnahmen wie Mund-Nasen-Schutz und Abstandhalten langfristig als wirkungsvoll erweisen.

Welche Innovationen sich durchsetzen werden, hängt nicht zuletzt von den Akteuren im Markt ab, also Start-ups und etablierten Unternehmen gleichermaßen.

Fazit: Mobilität im Wandel durch COVID-19

Die aktuelle Coronavirus-Krise hat auch Auswirkungen auf die Mobilität. Insbesondere in der Phase des Lockdowns waren die Menschen insgesamt weniger mobil, außerdem fand eine Verschiebung hinsichtlich der gewählten Verkehrsmittel statt: Während wesentlich weniger Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzten, stieg der Anteil am Pkw- und Fahrradverkehr. Der Hauptgrund dafür dürfte das niedrigere Infektionsrisiko sein.

Inwiefern sich dieser Trend auch nach der Pandemie fortsetzen wird, ist nicht vorherzusagen. Fest steht: Mittel- bis langfristig sind innovative Lösungen gefragt, die eine möglichst sichere und gesunde Mobilität ermöglichen. Dies gilt auch für Konzepte wie das von ParkHere, welches eine Parkplatzzuweisung ganz ohne persönlichen Kontakt anbietet – ganz im Sinne des Social Distancing.

Quellen:

https://www.infas.de/fileadmin/user_upload/infas_mobility_CoronaTracking_Nr.01_202004121.pdf

https://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/carsharing-in-der-coronakrise-die-zeit-ist-perfekt-um-die-mobilitaet-dauerhaft-zu-veraendern/25825292.html

https://www.sueddeutsche.de/auto/corona-verkehrskonzept-mobilitaet-1.4905203

Alle Quellen zuletzt abgerufen am 30.06.2020